Grußbotschaft von Frau Saraswathi Gora

an die III. Atheistische Weltkonferenz

Die III. Atheistische Weltkonferenz (Bild, 55kB) in Helsinki, Finnland, ist ein weiterer Meilenstein auf dem fortschreitenden Marsch des Atheismus. Die Gastgeber, die Freidenker-Union Finnlands, verdienen alle Glückwünsche, diese historische Konferenz einberufen zu haben.

Atheismus verbreitet sich über die ganze Welt. Die erste und zweite Weltkonferenz wurde im ersten Atheistischen Zentrum der Welt abgehalten, in Vijayawada, Indien. Gora und ich waren Mitbegründer dieses Zentrums. Es ist für mich eine große Freude zu sehen, daß die Atheistische Bewegung auf der ganzen Weit zunimmt und Atheisten in der ganzen Welt lobenswerte Arbeit in ihren Ländern tun. Der Atheismus muß einfach zunehmen und den Weg bereiten für die Nachreligiöse Gesellschaft.

Atheismus ist eine positive Weltanschauung. Er ist eine Alternative zur religiösen Weltanschauung und befreit die Menschen vom Joch der Religion, erstrebt und fördert die soziale und wirtschaftliche Gleichheit. Dank der unaufhörlichen Anstrengungen von Nationalen Befreiungsbewegungen in verschiedenen Teilen der Welt, erreichten viele Länder Asiens, Afrikas und Amerikas die Unabhängigkeit. Die mit Schweiß und Blut hart erkämpfte Freiheit muß Realität werden.

Die politische Freiheit kann nur geschützt werden, wenn die Bemühungen weitergehen, sich auch von sozialen und wirtschaftlichen Ungleichheiten zu befreien. Politische Unabhängigkeit, die nicht von sozialer und wirtschaftlicher Gleichheit begleitet wird, bleibt nur ein leerer Traum für die einfachen Leute, die seit Jahrhunderten unter dem kolonialen Joch gelitten haben. Ein bloßer Wechsel der Führung, von den Händen der Weißen in die von Farbigen, wie bedeutsam das auch immer ist, bringt nicht die gewünschten Resultate; es sei denn, die Vorteile (der Nutzen) dieser schwer erkämpfen Freiheit sickern bis auf die Ebene der einfachen Menschen durch. Anderenfalls würde der kulturelle Imperialismus, ob international oder einheimisch, den Herrschenden eine Hilfestellung zur Ausbeutung geben. Die Religion ist dabei, die Macht über die Menschen zu verlieren und tut daher ihr Bestes, um zu einem Comeback zu gelangen, indem sie schwankende Regime unterstützt.

Die Menschen im Westen haben in dieser Hinsicht eine besondere Verantwortung. Sie haben eine beachtliche Gleichheit in vielen Lebensbereichen erreicht und haben soziale Sicherheit und Freizeit. Aber der Westen allein ist nicht die Welt; Tatsache ist: Zwei Drittel der Weltbevölkerung leben noch immer in elendigsten Armutsverhältnissen. Sie sind

Opfer religiösen Fanatismus, vielfältigen Aberglaubens, von Ungerechtigkeiten und politischer wie wirtschaftlicher Ausbeutung. Ausbeutung irgendwo (wo auch immer sie stattfindet) ist eine Bedrohung der Gerechtigkeit überall (generell). Daher ist es die Verantwortung der Atheisten und der atheistischen Sympathisanten und aller fortschrittlich denkender Menschen, gemeinsame Sache zu machen, um den Aberglauben auszurotten, gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Ausbeutung anzukämpfen.

Atheisten der ganzen Welt sollten eine globale Annäherung entwickeln, die die Grenzen ihrer Länder und Kulturen durchsichtig macht. Globale Vorstellungen werden zu einem globalen Verstehen führen, da wir ohnehin bereits in einem "globalen Dorf" leben. Durch Wissenschaft und Technik wurden bereits die Barrieren der Entfernung gebrochen. Jetzt gilt es, auch die geistigen Barrieren niederzureißen, die die Menschen in wasserdichte Einzelzellen teilen. Dem kommt besondere Wichtigkeit zu, wenn die Welt der Bedrohung eines atomaren Holocaust gegenübersteht. Frieden, Freiheit, Menschenwürde und Gleichheit sind eine Bedingung für das Überleben der menschlichen Rasse. Wenn schlechte Menschen derartiges ersinnen, müssen gute Menschen sich zusammenschließen, um den Frieden auf der Erde zu erhalten.

Positiver Atheismus unterstreicht, daß Atheismus eine konstruktive Weltanschauung ist. Aus diesem Grunde sollte Atheismus eine Veränderung in alle Lebensbereiche bringen. Die Saat der Veränderung muß in die Köpfe der Jugendlichen gesät werden. Kinder sind die Bürger von morgen. Ihre Bildung und Erziehung muß frei sein vom Joch der Religion. Dazu ist alternative Literatur und sind alternative Schulen notwendig, die auf säkularer Basis den Geist der Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit lehren (sich zu eigen machen).

Die Hälfte der Menschheit sind Frauen. Ohne ihre aktive Teilnahme würde der Mann allein die Familie nicht beeinflussen. Das trifft insbesondere auf die Entwicklungsländer zu. Religion hat immer noch einen enorm starken Einfluß auf die Entwicklung der Frauen, weil sie meist Analphabeten sind, an das Haus gebunden, und ihnen wird die Gelegenheit vorenthalten, ihre Talente frei zu entfalten. Gebt ihnen alle Möglichkeiten! Frauen sind gleichberechtigte Partner im sozialen Wandel. Sie werden Vorboten des Atheismus sein. Wenn die Frau sich wandelt, wird die ganze Familie sich wandeln. Mit meinen Erfahrungen in der atheistischen Weltanschauung im letzten halben Jahrhundert kann ich sagen, daß viele Frauen die atheistische Weltanschauung angenommen haben. Wir haben säkulare Feste gefeiert. Frauen haben religiöse Symbole abgelegt, gaben ihren Kindern säkulare Namen und legten ihre religiösen Funktionen nieder. Atheisten brechen die Mauern des Kastensystems und der Religion und propagieren kostenlose und religionslose Hochzeiten. Es ist keine geringe Errungenschaft. Diese Wandlungen waren nur möglich, weil auch Frauen sich die atheistische Weltanschauung zu eigen machten.

Atheismus fördert die Moral, die Aufrichtigkeit, die Rechtschaffenheit und die menschliche Persönlichkeit, sowie die wissenschaftliche Herangehensweise und Wirklichkeit sie sind das Wesen des Atheismus.

Atheismus ist eine bessere Weltanschauung. Sie ist nicht negative, sondern positive Lebensweise. Atheismus ebnet den Weg, um die Entwicklung der Persönlichkeit der Individuen einzuleiten, sie von dem jahrhundertealten Vermächtnis der Theistischen Weltanschauung zu befreien. Das Joch der Religion ist ein Bann für die menschliche Zivilisation.

Die Zukunft des Atheismus ist klar. Die Zukunft gehört uns. Keine Macht der Erde kann die Religion wiederbeleben. Religion ist Vergangenheit. Atheismus hat Zukunft. Aber ewige Umsicht ist der Preis für die Freiheit von der Religion.

Ich beglückwünsche noch einmal alle Teilnehmer der Atheistischen Weltkonferenz und grüße die unzähligen Atheisten in aller Welt, die die Reise nach Finnland mangels finanzieller Mittel nicht antreten konnten. Ich hoffe sehr, daß die Vorsätze von Helsinki ein weiterer Schritt für ein besseres Verständnis zwischen Atheisten aus verschiedenen Ländern bedeutet.

Die besondere Tatsache, daß die 111. Atheistische Weltkonferenz in Helsinki abgehalten wird, bezeugt, daß Atheismus eine weltweite Kraft ist. Mit Sorgfalt, Mut und Vertrauen müssen wir Brücken des Verstehens bauen für die Zukunft der Menschheit und durch die Propagierung des Atheismus mit doppeltem Nachdruck.

(Übersetzung aus dem Englischen von Brigitte Beeken.)

aus: MIZ Materialien und Informationen zur Zeit. Politisches Magazin für Konfessionslose und Atheistinnen, Vol. 12 Nr 2-3/83 1 Z 11922 F S. 3-5. Wir danken Herrn Gunnar Schedel für die freundliche Genehmigung zur Wiedergabe im Internet.


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Letzte Änderung: 8. Oktober 1997