Europa

Deutschland

(2634) Würzburg. Ausgerechnet auf dem Weg ins Heilige Jahr 2000 stehen die deutschen katholischen Bischöfe vor der Zerreißprobe. Mit der in Kürze erwarteten Entscheidung über die vom Papst gerügte kirchliche Schwangerenberatung droht erstmals eine tiefe Spaltung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK). Deren Vorsitzender, der Mainzer Bischof Karl Lehmann, will bei mehreren Spitzentreffen der Oberhirten die Einheit retten. In Kirchenkreisen weist alles daraufhin, daß das Gremium einen Drahtseilakt empfiehlt: Die Scheine bleiben - aber mit geändertem Text und konkreten Hilfsangeboten.

Erst kürzlich betonte Lehmann, der Papst habe nur einen Schein solcher Art gerügt - nie aber ein Ende der Beratung verlangt. Noch ist eine klare Mehrheit mit Lehmann für den Verbleib im staatlichen System, sagt ein DBK-Mitglied. Als Wakkelkandidaten aber gelten die Kardinäle Joachim Meisner (Köln) und Friedrich Wetter (München) sowie die Bischöfe von Eichstätt, Speyer und Paderborn. Limburgs Oberhirte Franz Kamphaus outete sich als klarer Gegenspieler Dybas: Er will in jedem Fall die von Dyba als Tötungslizenzen bezeichneten Scheine in den Beratungsstellen weiter ausgeben. "Wir können nur hoffen, daß der Riß durch die Kirche nicht noch tiefer wird", sagt der Pressesprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Theodor Bolzenius. Das Spitzen-Gremium des Kirchenvolkes ist sich zwar in der strikten Ablehnung der Abtreibungspille Mifegyne (früher RU 486) mit den Bischöfen einig, verteidigt aber seit je vehement die Konfliktberatung von Schwangeren. Die Einführung der Abtreibungspille jedoch, so ZdK-Präsident Hans Joachim Meyer, würde die Schwierigkeiten der Frauen im Schwangerschafts-Konflikt noch erhöhen.

An der Basis laufen bereits Vorbereitungen für den Notfall, daß die katholische Kirche aus der Schwangerschaftsberatung aussteigt: So ruft die von der Amtskirche unabhängige Aktion Frauenwürde zu Spenden auf, um die gesetzliche Beratung selbst weiterzuführen. Auch der direkt dem Papst unterstellte Deutsche Orden bot sich an. (Frankfurter Neue Presse, 11.1.99)

(2635) München. Die Kirchen rechnen mit drastischen Auswirkungen der geplanten Steuerreform. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Manfred Kock, kündigte Ende November letzten Jahres "schmerzhafte Einschnitte" wegen der zu erwartenden Einnahmeausfälle an. Auch Entlassungen oder die Schließung von Kindergärten wollte Kock in einem vorab veröffentlichten Gespräch mit dem Münchner Nachrichtenmagazin Focus nicht ausschließen. Kock räumte ein: "Noch sind wir eine relativ reiche Kirche in einem reichen Land". Dennoch müßten viele Landeskirchen jetzt Leistungen einschränken oder abbauen, etwa bei den Ausbildungsangeboten oder Projekten der Diakonie. Das Vermögen der evangelischen Kirche werde überschätzt. "Wir verfügen nur über die uns gesetzlich zustehenden Rücklagen, die für drei Monate reichen", betonte der EKD-Ratsvorsitzende. Die kirchlichen Bauwerke oder Grundstücke als Vermögen zu bezeichnen, wäre nach Ansicht Kocks "abenteuerlich", weil sie in den wenigsten Fällen in Geld umgewandelt werden könnten. (Yahoo, 28.11.98)

(2636) Hannover. In der Synode der hannoverschen Landeskirche ist es zu einer kontroversen Debatte über die Anstellung homosexueller Pastoren und Mitarbeiter gekommen. Ein Arbeitskreis der Synode zur Lebensführung der Mitarbeiter legte den Kirchenparlamentariern Ende November in Hannover einen Abschlußbericht vor, in dem das homosexuelles Verhalten in der Bibel ausnahmslos negativ bewertet werde. Dies dürfe nicht relativiert werden. Der Arbeitskreis empfahl, die Frage aufzuschieben und vom allgemeinen Diskussionsstand der Protestanten abhängig zu machen.

Der Synodale Klaus Brinker, der 1984 als Beamtenanwärter wegen seiner Homosexualität vom Pfarrdienst entlassen wurde, nannte den Bericht einen Rückschritt. Wenn die Landeskirche jetzt nicht handele, bleibe sie bei der Praxis der Berufsverbote und verlängere antihomosexuelle Einstellungen. Er kritisierte den Umgang des Arbeitskreises mit den Bibeltexten als neuartige Form des Fundamentalismus. In die Auslegung biblischer Texte müsse die Lebenswirklichkeit der Gegenwart einbezogen werden. Die Betroffenen seien in dem Bericht nicht zu Wort gekommen.

Der Arbeitskreis war auf einen Beschluß der Synode vom November 1993 hin eingesetzt worden. Damals hatte die Synode mit einer Stimme Mehrheit an die Kirchenleitung appelliert, Arbeitsmöglichkeiten für homosexuelle Menschen in der Kirche zu eröffnen. (Top-News, 25.11.98)

(2637) Bad Neuenahr. Die Entscheidung über die Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften, um die seit zehn Jahren in der Evangelischen Kirche im Rheinland gerungen wird, ist vertagt worden. Mit überwältigender Mehrheit beschloß die Synode in Bad Neuenahr nach langer, kontroversen Diskussion, daß eine solche Segnung zur Zeit nicht möglich sei. Das gilt auch für verschieden geschlechtliche Lebensgemeinschaften ohne Trauschein. Mit diesem Beschluß trug die Synode der Mehrheit der Presbyterien Rechnung, die gegen eine Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften eintreten. In ihrem Beschluß stellt die Synode aber auch fest: Wir erkennen an, daß Menschen auch in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften ihr Miteinander an Liebe und gegenseitiger Fürsorge, Verbindlichkeit, Verläßlichkeit und Ausschließlichkeit orientieren. (Kölnische Rundschau, 13.1.99)

(2638) Köln. Kardinal Meisner hat die geplante Einführung der Abtreibungspille Myfygiene (RU 486) scharf kritisiert. Er verurteilte die Haltung der Regierung, die sich positiv zur Zulassung des Präparats geäußert hatte. Der Kölner Erzbischof erklärte im Dezember, wo eine Regierung Tötungsmittel propagiere, werde es menschlich kälter im Staat.

Meisner hatte die Abtreibungspille RU 486 indirekt mit dem zum Judenmord benutzten Gas Zyklon B verglichen. Der Kölner Erzbischof schrieb in der Rheinischen Post, daß RU 486 kein Heilmittel sei, sondern das genaue Gegenteil, nämlich ein chemisches Tötungsinstrument speziell für ungeborene Kinder. In der Nazi-Zeit seien schlimmste Verbrechen durch den Einsatz chemischer Substanzen verübt worden. So sei es eine unsägliche Tragödie, wenn sich am Ende dieses Jahrhunderts die chemische Industrie ein zweites Mal anschicken würde, in Deutschland ein chemisches Tötungsmittel für eine bestimmte gesetzlich abgegrenzte Menschengruppe zur Verfügung zu stellen.

Regierungsmitglieder reagierten auf die Äußerungen Meisners empört. So verurteilte Familienministerin Bergmann (SPD) die Haltung des Erzbischofs, die sich massiv gegen die Frauen richte. Die Grünen-Fraktionssprecherin Kerstin Müller bezeichnete in einem Interview mit der Westfälischen Allgemeinen Zeitung den bischöflichen Versuch, die Pille in die Nähe des KZ-Vernichtungsgases Zyklon B zu bringen, als ungeheuerlich. Ausgelöst wurde die Diskussion durch das geplante Vorhaben des französischen Patentinhabers, Mitte Januar das Genehmigungsverfahren des Medikaments für den deutschen Markt einzuleiten. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 7.12.98, 22.12.98, 4.1.99)

0(2639) Köln. Der Kölner Erzbischof Kardinal Meisner hat sich erneut kritisch zur Praxis von Schwangerschaftsabbrücben in Deutschland geäußert. In seiner Predigt zum Dreikönigstag im Kölner Dom zog er Parallelen zwischen dem von König Herodes befohlenen, biblischen Kindermord von Bethlehem und Abtreibungen in der heutigen Zeit.

Wörtlich sagte der Kardinal: "Wo der Mensch sich nicht relativieren und eingrenzen läßt, dort verfehlt er sich immer am Leben selbst: zuerst Herodes, der die Kinder von Bethlehem umbringen ließ, heute unsere Gesellschaft, in der jährlich zirka 300.000 unschuldige ungeborene Kinder getötet werden". Die Schwangerschaftsabbrüche seien die Folgen dieses anmaßenden Aufbegehrens gegen Gott, so Meisner. Das sind nicht in erster Linie soziale Probleme, sondern theologische. Der Mensch dürfe sich nicht selbst zu Gott machen, der sich Verfügungsrecht über seinen eigenen Leib und über das Leben anderer anmaßt. (Kölnische Rundschau , 7.1.99)

Anm. MIZ: Ob Frauen in Not auch der Meinung sind, ihre Probleme seien nur theologischer Art?

(2640) Stuttgart. Der seelsorgerische Dienst von Pfarrern im Krankenhaus wird nicht von allen Patienten geschätzt. Es kommt vor, daß Patienten den Besuch eines Geistlichen ablehnen, berichtet der katholische Seelsorger Georg Hummler. Jedoch sei das eher selten. Laut Kollege Hubertus Busch spiele der Glaube bei den ersten Besuchen aber kaum eine Rolle.

Bei schweren Gesprächen und in dramatischen Situationen profitieren die Seelsorger von ihrer zusätzlichen Ausbildung als Psychotherapeuten. Dennoch gebe es Unterschiede zwischen ihnen und den Psychologen, die in der Klinik arbeiten. "Die Patienten sprechen sehr häufig ihre Schuldgefühle an", betont Hummler. Denn auch jüngere Menschen deuten die Krankheit oft als Strafe für frühere Verfehlungen. (Stuttgarter Zeitung, 18.1.99)

Anm. MIZ: Bei all dem darf man nicht vergessen, daß den Patienten diese Schuldgefühle (Krankheit als Strafe für Sünden) erst von der Kirche und ihren Hirten eingeredet worden sind. Das Verhalten der Kirche, Schuldgefühle zunächst zu erzeugen, um sie dann therapieren zu können, erinnert an einen alten Chaplin-Film, in dem ein Glaser sein Geschäft dadurch ankurbelte, daß er Scheiben einschmeißen ließ.

(2641) Bonn. Die Zahl der Austritte aus der katholischen Kirche ist 1997 um sieben Prozent im Vergleich zu 1996 gesunken. Insgesamt kehrten 123.813 Menschen vor zwei Jahren der katholischen Kirche den Rücken, wie die Deutsche Bischofskonferenz in Bonn mitteilte. Den Meldungen zufolge stieg zwar die Zahl der "Taufen und weiterer Aufnahmen" um 4.000 oder knapp 30 Prozent auf 15.150, es bleibt aber ein deutlicher Negativsaldo.

Jeder Dritte in Deutschland ist der kircheneigenen Statistik zufolge katholisch. Bundesweit liegt die Quote bei 33,4 Prozent, im Westen bei 40,7 Prozent und im Osten einschließlich Berlin bei 6,2 Prozent. Vom Gottesdienst halten diese Christen offenbar immer weniger, denn die Statistik der Bischofskonferenz weist auch eine abnehmende Quote der Kirchenbesucher aus. An einem normalen Sonntag kamen demnach 4,8 Millionen Katholiken oder 17,6 Prozent in die Kirchen. 1996 waren es noch 18 Prozent. (Yahoo, 23.11.98)

(2642) Bonn. Bundesinnenminister Schily (SPD) hat sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, moslemischen Religionsgemeinschaften den gleichen Status einzuräumen wie den christlichen Kirchen. Dann gäbe es für die Regierung feste Verhandlungs- und Ansprechpartner, sagte Schily dem Focus. Die anerkannten islamischen Religionsgemeinschaften könnten auch gewährleisten, daß der Islamunterricht in Deutschland nicht dem deutschen Rechtsverständnis zuwiderlaufe. Auch private Schulen in islamischer Trägerschaft halte er prinzipiell für denkbar. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 30.11. 98)

(2643) Köln. Die Auftritte als selbsternannter Erzbischof der Unabhängigen katholischen Kirche kommen einen 24jährigen Angestellten aus Siegburg teuer zu stehen. Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 4200 Mark, weil der Angeklagte durch einen selbstverfaßten Hirtenbrief Verwechslungen provoziert habe. Der falsche Bischof berief sich auf die Religionsfreiheit. Er sei von seiner Kirche, die aus acht Mitgliedern bestehe, als Bischof geweiht worden. (diesseits, 4/98)

(2644) Rottenburg. Das "Vater unser" ist nach den Worten des Rottenburger Bischofs Walter Kasper die Antwort auf die "vaterlose Gesellschaft". In einer Gesellschaft, die ihre Herkunft nicht mehr kenne und unsicher in bezug auf die Zukunft ihrer Werte sei, müsse das Gebet neu entdeckt werden, sagte Kasper anläßlich seines Neujahrsempfangs. Er zeigte sich beunruhigt über Politiker, die sich nur noch auf sich selbst verlassen und keine göttliche Autorität mehr über sich gelten lassen wollen. Gerade das 5jährige Bestehen des Grundgesetzes gebe Anlaß, über die in der Präambel genannte Verantwortung vor Gott nachzudenken. (Stuttgarter Nachrichten, 8.1.99)

Anm. MIZ: Nach 50 Jahren sollte wirklich über den Gottesbezug in der Präambel im Grundgesetz nachgedacht werden. Er schließt einen nicht unbeträchtlichen Teil der Bevölkerung aus, der sich nicht über ein höheres Wesen definiert.

(2645) Mannheim. Den baldigen Weltuntergang hatte die als Uriella bekannte Sektenführerin Erika Bertschinger-Eicke (69) zu Prozeßbeginn prophezeit, aber auch ihre glückliche Rettung durch ein Raumschiff vorhergesehen. Die Welt ging jedoch nicht unter und Uriella wurde als Steuersünderin verurteilt.

Mit einer Bewährungsstrafe von 22 Monaten sowie einer Geldstrafe von 100.000 DM bestrafte die Wirtschaftskammer des Landgerichts Mannheim die von Uriella im Prozeß gestandene Steuerhinterziehung in einer Größenordnung von 1,2 Mio DM. Dabei berief sich die Chefin der etwa 700 Mitglieder starken Sekte Fiat Lux (Es werde Licht) darauf, sie habe stets nur den göttlichen Gesetzen entsprechend gehandelt. [Das muß das 11. Gebot sein: Du sollst Steuern hinterziehen!, Anm. MIZ] Doch das sah das Gericht trotz der Proteste von etwa 50 Sektenmitgliedern anders. Der unverzollte Import von angeblichen Heilmitteln, Kosmetika und anderen Waren aus der Schweiz sei ein klarer Fall von Schmuggel, auch wenn die Kuriere Uriellas in dem Glauben gehandelt hätten, diese Transporte seien gottgewollt.

Für Erika Bertschinger-Eicke, die in Deutschland lebt und in der Schweiz als Geistheilerin arbeitet, war dieser Prozeß nicht die erste Begegnung mit irdischer Gerechtigkeit. 1996 mußte sie sich in Waldhut-Tiengen verantworten - unter anderem wegen fahrlässiger Tötung. Damals wurde ihr vorgeworfen, die ärztliche Betreuung von drei schwerkranken Frauen verhindert zu haben. Zwei Frauen waren gestorben. Das Gericht sprach Uriella aus Mangel an Beweisen frei. Jetzt könne sie sich wieder um Kranke kümmern, so Uriella nach dem gestrigen Urteil. Vielleicht nicht sehr lange. Ehemann Eberhard alias Icordo nannte mal wieder ein neues Datum für den Weltuntergang -1999. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 23.12.98)

(2646) Bielefeld. Im Rahmen der Ermittlungen gegen genossenschaftliche Geldinstitute hat die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Bielefeld die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn durch die Steuerfahndung durchsuchen lassen und Unterlagen über Luxemburg- und Schweizgeschäfte sichergestellt. Es besteht der Verdacht der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. (Freies Denken, 1/99)

(2647) Darmstadt. Für Hellseher war 1998 ein rabenschwarzes Jahr. Von den 68 Zukunftsprognosen, die Wahrsager, Astrologen, Kartenleger und andere Propheten zum Jahresbeginn gestellt hatten, traf so gut wie keine zu. Das stellt das Forum Parawissenschaften in Sandhausen bei Heidelberg zum Jahresende fest. Erneut hätten sich Wahrsager als Versager erwiesen, bilanziert der Sprecher des Wissenschaftler-Verbundes, Edgar Wunder.

Vor allem bei politischen Prophezeiungen zeigten Deutschlands Wahrsager wenig Gespür. Kein einziger der 21 von dem Forum überprüften Hellseher habe das rot-grüne Bündnis in Bonn korrekt vorausgesagt. Im Gegenteil: Astrologin Monika Transier sah nach ihren langjährigen Sterndeutungen einen erneuten Wahlsieg für Helmut Kohl. Dagegen wurden für Schröder von Medienastrologe Winfried Noe nur Fehlschläge und schlechte Aspekte orakelt. Ebensowenig treffsicher erwiesen sich die Prophezeiungen der nationalen Hellseher-Gemeinde beim Thema Fußball. Die Astrologen Dieter Hempel und Monika Transier waren sich fälschlicherweise sicher: Berti Vogts führt seine Fußballspieler zum Weltmeistertitel. Als unzutreffend erwies sich auch die Vorhersage des Astrologen Noe, der FormeI-1-Fahrer Michael Schumacher werde erneut Weltmeister. Gleiches gilt für die Weltuntergangsszenarien, die von zahlreichen Hellsehern - zum Teil Jahrzehnte im voraus - für 1998 vorhergesehen worden waren. Sie blieben allesamt aus. "Es ist mir rätselhaft, wie nach einem derartigen Prognose-Fiasko noch irgend jemand an solche Prophezeiungen glauben kann", sagte Wunder. Dabei seien die wirklich überraschenden Ereignisse des Jahres 1998 - etwa das Zugunglück von Eschede oder das Grubenunglück von Lassing - von keinem Hellseher vorausgesagt worden.
29.12.98, Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 29.12.98)

(2648) Bonn. Eine stärkere Trennung von Kirche und Staat wird nach dem Religionssoziologen Michael N. Eber in den nächsten Jahren auf der Tagesordnung stehen. Der staatliche Einzug der Kirchensteuer etwa sei mit der einfachen Mehrheit des Bundestages abschaffbar. Die Grünen würden darauf drängen, die PDS, FDP und Teile der SPD sind auch dafür. Somit könnte es zu einer großen Koalition für eine schärfere Trennung kommen, so der Wissenschaftler. (TAZ, 24.12.98)

(2649) Frankfurt. Wenige Tage vor Weihnachten hat das Oberlandesgericht Frankfurt den Vornamen Jesus für zulässig erklärt. Standesämter dürften den Eltern die Eintragung des Namens nicht mit dem Hinweis auf die Verletzung religiöser Gefühle verweigern, so das Gericht. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 22.12.98)

Schweiz

(2650) Zürich. Die Schweizer Theologin Katharina Hoby ist 36 Jahre alt, lebensfroh und attraktiv - zu attraktiv für die Kanzel des ehrwürdigen Züricher Großmünsters. Eine Teilzeitstelle als Pfarrerin wurde Hoby von der Kirchenpflege kürzlich verweigert. Begründung: Sie erfülle die Bewerbungskriterien nicht. Psychotherapeutin Therese Augsburger, Mitglied der Großmünster-Gemeinde, sieht in der schönen Pfarrerin das Opfer einer modernen Hexenjagd. "Mit Frau Hoby hat die Kirche eine Hexe mehr, die verbrannt werden muß, weil sie ein sichtbares Symbol für das Leben ist."

Zürichs Tages-Anzeiger erinnerte in diesem Zusammenhang daran, daß der Zwist nicht zufällig gerade im Großmünster ausgebrochen ist. Dort begann Ulrich Zwingli an Neujahr 1519, seine neue Glaubenslehre zu predigen. Der eidgenössische Reformator verdammte jedes Freizeitvergnügen, erhob rigide Kleidervorschriften und "Sittenmandate". (Westfälische Allgemeine Zeitung, 23.1.99)

Frankreich

(2651) Paris. Muslimische Mädchen dürfen in französischen Schulen keinen Schleier tragen, denn das symbolisiert ihre Unterordnung unter den Mann. So Innenminister Jean-Pierre Chevenement jetzt zu dem neuen Kopftuchstreit. Er erläuterte, man könne Franzose und Muslim sein, aber der Schleier verhindere die Integration in die französische Gesellschaft. (Radio Vatikan, 10.-13.1.99)

Großbritannien

(2652) London. Zum 50. Jahrestag der Erklärung der Menschenrechte haben die katholischen Bischöfe von England und Wales sich in einem am 10. Dezember veröffentlichten Schreiben zu einem vielfältigen Versagen der Kirche in der Geschichte ihres Landes bekannt. Zudem ließen sie wissen, daß die Verteidigung der Menschenrechte eine religiöse Verpflichtung für alle Katholiken ist. Mit Blick auf die eigene Geschichte, heißt es in dem Schreiben, müsse anerkannt werden, daß im Namen der katholischen Religion schreckliches Unrecht begangen wurde. Gleichzeitig aber stellten die Kirchenmänner in dem Papier fest, daß sie sehr wohl wissen, was es heißt über die Jahrhunderte der eigenen Rechte beraubt gewesen zu sein. Kirchlich Verantwortliche, so heißt es weiter, müßten ihr eigenes Vorgehen überprüfen, um sicherzustellen, daß die Menschenrechte bei allem Handeln, im Wort wie im Geiste, beachtet werden. (Radio Vatikan, 10.-12.12.98)

(2653) Cardiff. Den Weihnachtsmann gibt es nicht, hatte Pfarrer Wade McLennan aus Wales seinen erstaunten Schützlingen im Religionsunterricht erklärt. Tränenüberströmt rannten die Achtjährigen nach Hause. Sie haben kein Recht, den Kindern das Fest zu verderben! beschimpften die empörten Eltern den Geistlichen. Ich wollte ihnen nur die Wahrheit sagen, verteidigte sich McLennan. Der Grund für Weihnachten ist Jesus! (Berliner Kutier, 17.12.98)

Vatikan

(2654) Vatikanstadt. Papst Johannes Paul Il. hat am 5. Dezember vor dem Mißbrauch des Rechts gewarnt. Die Vereinigung katholischer Juristen Italiens erinnerte er daran, daß das Recht unter der Herrschaft von Diktatoren zu Instrumenten der Unterdrückung geworden sei. Recht dürfe man nicht nur positivistisch und nach dem Buchstaben verstehen. In diesem Zusammenhang lobte der Papst den Kampf der katholischen Juristen Italiens gegen das Recht auf Ehescheidung und Abtreibung. Angesichts von schweren Menschenrechtsverletzungen in allen Teilen der Welt trotz ihrer feierlichen Verkündigung, müßten die Juristen heute vor allem für ihre Respektierung kämpfen, so der Papst. (Radio Vatikan, 5.12.98)

(2655) Vatikanstadt. Am ersten Adventssonntag hat Papst Johannes Paul II. mit der feierlichen Übergabe der Verkündigungsbulle des großen Jubiläums 2000 offiziell das Jahr 2000 zum Heiligen Jahr erklärt. Das christliche Jubiläumsjahr -Rom erwartet dazu rund 30 Millionen Pilger und Touristen - dauert vom 24. Dezember 1999 bis zum Dreikönigstag am 6. Januar 2001. Das hat der Papst in der Bulle so festgelegt. Er wünscht sich zum Jubiläum eine neue Kultur internationaler Solidarität und Zusammenarbeit. Besonders die reichen Länder sollten Verantwortung für ein Wirtschaftsmodell übernehmen, das jedem Menschen diene. Johannes Paul wünscht sich auch einen weiteren Schritt voran im Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen. Und streng verlangt er erneut, die Kirche selbst müsse im Jahr 2000 für die Sünden ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart Vergebung erflehen. Bisher hatte sich der Papst - aufgrund innerkirchlicher Auseinandersetzungen, wie die Zeitung La Repubblica kommentierte - zurückhaltend zu dem geplante Schuldbekenntnis für die Verfolgung Andersgläubiger geäußert. (vgl. MIZ 4/98, Meldung 2612)

In der Bulle erfolgen Anweisungen für die Erlangung des Jubiläums-Ablasses. Der Sünden-Ablaß sei u.a. mit Wallfahrt, Kirchgang, Kommunion und Beichte zu erlangen. Die Gläubigen werden in dem Papstschreiben bereits jetzt gemahnt, dann Buße zu tun. Sie sollen einen Tag lang auf weltliche Laster wie Rauchen und Alkohol verzichten sowie das gesparte Geld zu wohltätigen Zwecken spenden. In Rom stießen die Anweisungen auf Kritik. Das seien Regeln für einen Platz im Paradies, meint spöttisch die Zeitung La Repubblica. Sie hält diese Regeln teilweise für überholt. Und sie zitiert Martin Luther, der sich vor allem wegen der Ablaßgeschäfte - dabei wurden Ablaßbriefe verkauft - von der katholischen Kirche abwandte. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 30.11.98, 1.12.99)

(2656) Vatikanstadt. In der 2000jährigen Geschichte der katholischen Kirche hat kein Oberhaupt so oft Heilig- und Seligsprechungen durchgeführt wie Johannes Paul II. In den bisher 20 Jahren seines Pontifikats hat der polnische Papst insgesamt 280 Frauen und Männer zu Heiligen und 805 weitere zu Seligen erklärt. Dies entspricht ziemlich exakt der Zahl, die seine sämtlichen Vorgänger seit 1592 zusammen erreicht haben. Spötter in der Kirche sprechen darum von einer Inflation oder einer Heiligenfabrik; erst recht fragen Andersgläubige, die eine Heiligenverehrung nicht kennen, oder agnostische Freigeister, was mit der Mystifizierung so vieler Märtyrer und tugendhafter Katholiken wohl bezweckt werde.

Hört man dazu den Jesuiten-Pater und Theologie-Professor Peter Gumpel, so enthüllt sich eine Strategie katholischer Globalisierung und Mobilisierung, die auf einzigartige Weise den Wunderglauben frommer Überlieferung mit heutigem wissenschaftlichem Anspruch verquickt. Johannes Paul II. hält es für nötig, den mehr als einer Milliarde Katholiken in aller Welt neue konkrete Vorbilder einer christlichen Lebensweise vor Augen zu stellen. Mit Blick auf das große Jubiläum des Jahres 2000, das Anstoß für eine religiöse Erneuerung der Kirche sein soll, läßt er das amtliche Verzeichnis der Heiligen überarbeiten und darin auch christliche Helden der Gegenwart aufnehmen, alte Bekannte könnten bald daraus verschwinden. (Süddeutsche Zeitung, 5.1.99)

(2657) Vatikanstadt. Der oberste Glaubenshüter des Vatikans, Kardinal Joseph Ratzinger, hat die Bischöfe dazu aufgerufen, die Meßfeier in lateinischer Sprache wiederzuentdecken. Die wilde Kreativität nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) habe das Mysterium des Heiligen zunichte gemacht, sagte Ratzinger. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 22.12. 98)

Nordamerika

USA

(2658) Washington. Der im Rahmen eines Euthanasieprogramms herbeigeführte Tod eines Mannes live auf dem Bildschirm hat in den USA nicht nur die Debatten über die Sterbehilfe wieder angeheizt. Die Direktübertragung hat auch die Diskussion über die ethische Verantwortung der Medien entfacht.

Die Katholische Kirche setzte sich an die Spitze derer, die empört dagegen protestierten, daß sich das renommierte Fernsehmagazin 60 Minutes in die Kampagne des umstrittenen Pathologen Jack Kevorkian für eine "humane Euthanasie" einspannen ließ.

Kardinal James Hickey rief die Gläubigen dazu auf, mit einer Briefkampagne zu reagieren. Es sei nicht hinnehmbar, jemanden im Fernsehen "zu ermorden", sagte seine Sprecherin. Euthanasie dürfe nicht wie Abtreibung "kulturell akzeptabel" werden.

Aber auch in den Medien und in den journalistischen Fakultäten der Hochschulen gab es kritische Stimmen. Mehrere Stationen des US-Fernsehsenders CBS entschieden sich, den Beitrag nicht auszustrahlen. Der Boston Globe nannte ihn in einem Leitartikel eine Schande und einen Akt der Barbarei. Hunderte von Zuschauern riefen CBS nach der Ausstrahlung am 22. November an, die meisten beschwerten sich. (werde, 29.11.98)

(2659) Sacramento. Mehr als 90 Pfarrer der methodistischen Kirche in den USA haben demonstrativ an einer christlichen Segnung für ein lesbisches Paar in der kalifornischen Stadt Sacramento teilgenommen. Der feierlichen Begründung einer "heiligen Union" zwischen beiden Frauen im Versammlungszentrum der United Methodist Church wohnten mehr als 1.000 Menschen bei. Die anwesenden Pfarrer sprachen gemeinsam den Segen über das Paar.

Die Methodisten haben die Segnung der Partnerschaft von Homosexuellen 1996 verboten, so daß die teilnehmenden Pfarrer jetzt mit Strafmaßnahmen rechnen müssen. Mit 8,5 Millionen Mitgliedern ist die United Methodist Church nach der Southern Baptist Convention die zweitgrößte protestantische Kirche in den USA. (Yahoo Schlagzeilen, 17.1.99)

(2660) Washington. Der US-Kongreß hat ein Gesetz über internationale Religionsfreiheit verabschiedet, das in bestimmten Fällen Sanktionen gegen Staaten ermöglicht, die gegen dieselbe verstoßen. Initiiert wurde das Gesetz von der rechtsorientierten Christian Coalition des protestantischen Fundamentalisten Pat Robertson. Beobachter gehen davon aus, daß die Heraushebung der Religionsfreiheit aus dem Katalog der Menschenrechte betrieben wurde, um die als Missionstätigkeit deklarierten politischen Kreuzzüge der Organisation abzusichern. Zukünftig wird es eine eigene Kommission geben, die (neben dem traditionellen Bericht zur Lage der Menschenrechte durch das amerikanische Außenministerium) die Situation der Religionsfreiheit untersuchen wird. Länder, die dabei negativ auffallen, müssen mit Strafmaßnahmen rechnen (von Ermahnungen bis hin zur Verweigerung von IWF-Krediten). (Frankfurter Rundschau , 13.10.98)

Lateinamerika

Chile

(2661) Santiago. Die katholische Kirche setzt sich für die Befreiung des ehemaligen Diktators, Augusto Pinochet, ein. Dies erklärte der Kardinal Jorge Medina am vorletzten Tag des Jahres 1998 gegenüber der chilenischen Zeitung La Cuarta de Santiago. Weiterhin bestätigte der Geistliche, daß mehrmals über die Befreiung Pinochets diskutiert wurde. Wir hoffen, daß dieser diskrete Einsatz positive Resultate erzielen wird, so Kardinal Medina. (Die Atheistenseite, 7.1.99)

Asien

Israel

(2662) jerusalem. Das Wort "Gott" darf auf dem Computer gelöscht werden, ob von der Festplatte oder auf dem Bildschirm. Das hat jetzt einer der fahrenden orthodoxen Rabbiner Israels bekanntgegeben. Mosche Schaul Klein veröffentlichte seine Entscheidung in der Computerzeitschrift Mahscheva Tova, die sich an orthodoxe Juden richtet. Er antwortete auf die Frage eines Lesers, der sich Sorgen machte, ob das ansonsten verbotene Löschen des Wortes "Gott" und seiner Variationen auch für den Computer gilt. "Die Buchstaben auf dem Computerbildschirm bestehen aus Pixel, das heißt aus Lichtpunkten", erläuterte auf Anfrage ein Assistent des Rabbiners, Jossef Hajad. "Selbst auf der Festplatte ist es nichts als eine Ansammlung von Einsen und Nullen". Das gedruckte Wort "Gott", auf hebräisch Jahwe, muß dem jüdischen Gesetz zufolge aufbewahrt oder aber rituell beerdigt werden. (Refortnierte Presse, 12.1.99)

Anm. MIZ: Oh Gott, oh Gott, oh Gottogott! (Bitte drucken sie diese Seite aus und schicken Sie sie einem Orthodoxen. Der muß sie nun aufbewahren. Oder ordentlich beerdigen).

Saudi-Arabien

(2663) Riad. In Saudi-Arabien verbietet ein islamisches Dekret die Ausrichtung von Feiern zu Geburtstagen, Jubiläen und anderen weltlichen Anlässen. Es seien Flugblätter mit entsprechendem Inhalt verteilt worden, berichteten Bürger der Hauptstadt Riad. Private Feiern seien ketzerisch, so das Dekret. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 5.1.99)

Afghanistan

(2664) Kamdahar. Bin Laden rasselt wieder mit dem Säbel: Für ihn sei es eine religiöse Pflicht zu versuchen, Massenvernichtungswaffen in die Hände zu bekommen, erklärte der von den USA und Saudi-Arabien als Terrorist gesuchte Multimillionär. Vier Monate nachdem die USA einige seiner Lager in Afghanistan bombardierten, meldete sich der gegenwärtig meistgesuchte Terrorist der Welt damit zurück. Amerikaner und Briten haben die Entscheidung ihrer Regierungen gebilligt, den Irak anzugreifen, erklärte der 41jährige gegenüber einem pakistanischen Journalisten, der das Gespräch an einen US-Fernsehsender, eine arabische Tageszeitung und an das pakistanische Blatt The News weitergab. Moslems in aller Welt sollten deshalb amerikanische und britische Interessen angreifen, verkündete der Sohn eines schwerreichen saudiarabischen Bauunternehmers. Osama Bin Laden wird von Washington vorgeworfen, für zwei Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Kenia und Tansania im August verantwortlich zu sein, bei denen 250 Menschen ums Leben gekommen waren. Er bestritt jede Mitverantwortung, bedauere die Anschläge aber nicht und kenne einige der Hinterleute: Das waren wahre Männer.

Das Interview fand am Heiligen Abend in einem Zelt in der Wüste außerhalb der südafghanischen Stadt Kandahar, dem Sitz der radikal-islamischen Taliban-Milizen, statt. Mullah Mohammad Hassan Rehmani, der Gouverneur der Region, hatte erst wenige Tage vor dem Auftritt von Osama Bin Laden erklärt: Osama Bin Laden ist unser Gast. Aber wir haben sichergestellt, daß er keine Terroraktionen planen und daß er keine öffentlichen Erklärungen abgeben wird. Die Taliban-Milizen, die mittlerweile rund 70 bis 80 Prozent des afghanischen Territoriums kontrollieren, sind untereinander über die Behandlung von Osama Bin Laden zerstritten. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 28.12.98)

Iran

(2665) Teheran. Das Oberhausener Gastspiel beim Theaterfestival in Teheran ist bei einem Teil des muslimischen Publikums wegen zweier unbekleideter Männer-Oberkörper auf Protest gestoßen. Die Mehrheit der Zuschauer, so betonten Kenner des Iran, stehe westlichen Theaterformen durchaus offen gegenüber. Die Oberhausener Gäste haben die in ihrem Verständnis keineswegs anstößige Szene inzwischen gestrichen. (WAZ, 27.1.99)

Indonesien

(2666) Jakarta. Die Bischofskonferenz hat jetzt eine Beteiligung im kürzlich gegründeten staatlichen Sicherheitsrat abgelehnt. Das von Präsident Yussuf Habibie ins Leben gerufene Gremium soll die innerstaatliche Stabilität wiederherstellen. Nach indonesischen Presseberichten vom 18.Dezember erklärten die Oberhirten zur Begründung, die katholische Kirche verbiete den Geistlichen eine Einmischung in staatlichen Angelegenheiten. (Radio Vatikan, 17.-19.12.98)

China

(2667) Peking. Der Religionsbeauftragte der Regierung hat jetzt in Peking das US-amerikanische Gesetz gegen Religionsverfolgung heftig kritisiert (vgl. Meldung 2660) Am Vorabend der Wiederaufnahme der chinesisch-amerikanischen Gespräche über Menschenrechte verurteilte der Regierungsvertreter das Gesetz, nach dem Staaten wirtschaftlich gestraft werden können, wenn sie die Religionsfreiheit einschränken. Peking widersetze sich energisch jeder Einmischung von außen, hieß es. (Radio Vatikan, 10.-13.1.99)

Kasachstan

(2668)Astana/Akmola. Zwischen Kasachstanund dem Vatikan ist ein Staatsvertrag abgeschlossen worden. Im größten Land Zentralasiens, wo etwa die Hälfte der Bevölkerung sich zum Christentum bekennt, wird die katholische Kirche zukünftig große Freiheiten für ihre Arbeit im Sozial-, Erziehungs-, Gesundheits- und Caritas-Bereich erhalten. Der Kirche wird Zugang zu den Medien zugesichert, im kulturellen Bereich wollen Staat und Kirche zusammenarbeiten. Dies ist der erste Vertrag dieser Art mit einem aus der Sowjetunion hervorgegangenen Staat. Ein Sprecher des Vatikans äußerte die Hoffnung, daß der Vertrag Mustercharakter für andere Länder haben werde. (Süddeutsche Zeitung, 25.9.98)

Afrika

Simbabwe

(2669) Harare. Die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) hat die Einrichtung einer Sonderkommission zur Mitwirkung der Orthodoxen beschlossen. Das je zur Hälfte mit Vertretern orthodoxer Kirchen und anderer Mitgliedskirchen besetzte Gremium solle den Wunsch der Orthodoxen nach mehr Mitwirkungsmöglichkeiten prüfen und Vorschläge zu entsprechenden Strukturveränderungen machen, so die Vollversammlung am 12. Dezember in der simbabwischen Hauptstadt Harare.

Die orthodoxen Kirchen beklagen eine Dominanz protestantisch-liberaler Kirchen aus dem Westen im ÖRK. Zwei orthodoxe Kirchen, die georgische und die bulgarische, haben sich aus diesem Grund bereits vom ÖRK zurückgezogen. Andere drohten ebenfalls mit Austritt, falls die Orthodoxen künftig nicht in den Gremien angemessen beteiligt würden. Inhaltlich sind vor allem die Frauenordination sowie der Umgang mit Homosexualität zwischen orthodoxen und protestantischen Kirchen strittig. (Evangelischer Pressedienst [epd], 12.12.98)

(2670) Harare. Sidney Chung von der interreligiösen Organisation Sukyo Mahikary in London forderte auf einer Veranstaltung des Weltkirchenrates, daß regelmäßige Beter von ihrer Krankenversicherung einen Rabatt erhalten sollten. Beten hätte eine große heilende und gesundheitserhaltende Kraft, sagte Chang. Weiter ließ er verlauten, daß ein weltweiter Gebetskreis von Gläubigen aller Religionen kraftvolle positive Vibrationen hervorrufen könne. Leider konnte Chang seinen Vortrag nicht selbst zu Ende führen. Wegen Atemnot mußte er das Manuskript vorlesen lassen. Dem Kommentar der atheistischen Website Gegen den Strom ist nichts hinzuzufügen: Mehr beten, Junge! (Gegen den Strom, 3.1.99)

Europa

Deutschland

(2671) Mainz. Sollen Schwule und Lesben aus der Kirche austreten? Diese Frage wird in einer Umfrage des Homosexuellen-Magazins Queer sehr unterschiedlich beantwortet. Wie die ökumenische Arbeitsgruppe Homosexoelle und Kirche (HuK) berichtet, wirbt der Vorsitzende der Lesben und Schwulen in der Union, Martin Herdieckerhoff, für den Verbleib in der Kirche. Nur so könne man Veränderungen erreichen und dialogbereite Verantwortungsträger unterstützen. Eine gegensätzliche Meinung vertritt Manfred Bausch vom Bundesvorstand der Schwusos (Schwule Sozialdemokraten): "Nur die dümmsten Kälber finanzieren ihre Schlächter selber." Vor allem katholische Bischöfe sind seiner Ansicht nach "stetiger Motor von Schwulen- und Lesbenfeindlichkeit". Deshalb solle man die Kirche weder durch Mitgliedschaft noch durch die Kirchensteuer unterstützen. (idea spektrum, 13.2.99)

(2672) Erfurt. Die Predigtenreihe"Reden über Gott und die Welt" zum Weimarer Kulturstadtjahr wurde nach hitzigen Diskussionen durch Beschluß des evangelischen Landeskirchenrats eingestellt. Die Reihe war besonders durch die Einladung des PDS-Fraktionschefs Gregor Gysi in die Kritik geraten. In einer Erklärung protestierte der Gemeindekirchenrat in Weimar gegen das Vorgehen. Die Entscheidung sei "ohne vorherige Rücksprache" erfolgt. Zur Begründung hatte Landesbischof Roland Hoffmann erklärt, durch die Veranstaltungsreihe seien die Gemeinden "in eine Zerreißprobe geraten" und die Gemeinschaft der Landeskirchen in der EKD und in der Ökumene "belastet" worden. Zudem sei die Aktion im Thüringer Wahlkampfjahr "zunehmend politisch überfremdet" worden. Vor allein die CDU hatte sich darüber erregt, daß auch der PDS-Politiker Gregor Gysi eingeladen wurde. Er habe auf Empfehlung des Landeskirchenrats "Herrn Gysi überhaupt ausgeladen", sagte Hoffmann. Laut Kirchenverfassung sei es ohnehin unzulässig, daß Menschen ohne kirchliche Berufung "an stelle der Predigt über den Bibellext reden". Deshalb werde angeregt, die Reihe als Sonntagsreden zu Bibeltexten außerhalb von Gottesdiensten zu gestalten. (Thüringer Allgemeine, 9.2.99).

(2673) Mindelstetten. Für Kardinal Ratzinger sind Selig- und Heiligsprechun gen gerade in der heutigen Zeit aktueller denn je. "Wir brauchen Vorbilder", erklärt der Kardinal die Inflation von Seligsprechungen unter seinem Chef. Seit der Pole 1978 zum Papst gewählt wurde, gab es 819 Seligsprechungen, mehr als in den 200 Jahren zuvor. Offenbar setzt der Vatikan in Zeiten zunehmender Verweltlichung auf die Wirkung dieser Glaubensidole. Mit Anna Schäffer scheint die Rechnung aufzugehen. Im Herbst werden in Mindelstetten nicht nur der päpstliche Nuntius erwartet, sondern auch 10.000 Gläubige. Das erste Wunder Anna Schäffers, so Pater Ambrosius Eszer von der vatikanischen Heiligsprechungskommission, sei unstrittig nachgewiesen. Einem verunglückten jungen Motorradfahrer habe die Selige das Leben gerettet, nachdem sie in Gebeten angerufen worden war. Tragisch allerdings, daß der Jugendliche kurze Zeit später bei einem weiteren Unfall ums Leben kam. Trotz dieses traurigen Schicksals fuhr auch die Mutter des Verunglückten im Pilgerzug mit nach Rom. Vom festlichen Gottesdienst im gefüllten Petersdom war sie ebenso beeindruckt wie Tausende anderer Katholiken, darunter auch der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Erwin Huber, und die Staatssekretärin Marianne Deml. (Nürnberger Nachtichten, 8.3.99)

Anm. MIZ: "Wir brauchen keine Menschen, die denken können... oder: Dicke Finsternis ruht über dem Lande". (Deschner)

(2674) München. Der Auftritt eines Jesusdarstellers bei einer Modenschau hat zu scharfem Protest der katholischen Kirche geführt. Das Erzbischöfliche Ordinariat in München verlangte von der Deutschen Meisterschule für Mode eine Entschuldigung. Die Leiterin der Schule, Siglinde Zisler, sagte, der Auftritt habe nichts mit dem gekreuzigten Christus zu tun.(Stuttgarter Nachrichten, 10.3.99)

Anm. MIZ: Das Erzbischöfliche Ordinariat meinte weiter: Die Darstellung der Folterung eines Menschen zum Gegenstand einer Modenschau zu machen, ist zynisch und pervers.. Dies müsse gläubige Christen provozieren und zutiefst verletzen. Bemerkenswert: Gegen die Darstellung der Folterung Jesu am Kreuz in den Klassenzimmern vor Kindern wurde nicht protestiert.

(2675) Köln. Auch er darf den Titel "Erzbischof" führen: Ein 24 Jahre alter Kölner, der einer unabhängigen Religionsgemeinschaft vorsteht, hat von einer Berufungskammer des Landgerichts Köln Recht bekommen. In erster Instanz war der Vorsitzende der neunköpfigen Religionsgemeinschaft "Unabhängige Katholische Kirche" wegen Titelmißbrauchs zu einer Geldstrafe von 4200 Mark verurteilt worden [vgl. MIZ 1/99, Meldung 2643]. Er hatte einen "Hirtenbrief" an die Mitglieder seiner Religionsgemeinschaft mit "Erzbischof" unterschrieben. Eine Amtsrichterin hatte im Oktober auf die "Verwechslungsgefahr" hingewiesen und darauf, daß der Titel nur Würdenträgern der römisch-katholischen Kirche zustehe. Der Verurteilte legte Berufung ein. Die Richter verwiesen jetzt, ohne Rücksichtnahme auf Kölns Kardinal und Erzbischof Joachim Meisner, auf Artikel vier des Grund gesetzes, der die Religionsfreiheit garantiere. (Frankfurter Neue Presse, 10.3.99)

(2676) Berlin. Auch im zehnten Jahr des Mauerfalls ist die Jugendweihe bei ostdeutschen Jugendlichen und ihren Eltern beliebt. Nach Angaben der "Interessenvereinigung für humanistische Jugendarbeit und Jugendweihe", die der größte Anbieter in den neuen Bundesländern ist und auf Erfahrungen aus der DDR-Zeit zurückblicken kann, nehmen mehr als 60 Prozent aller ostdeutschen Schüler an dem "Übergangsritual" mit der über 150jährigen Tradition teil. Gering dagegen ist nach wie vor die Beteiligung an der Konfirmation: Nur rund zehn Prozent der 13 bis 14jährigen Schüler entscheiden sich dafür. (atheismus.de, 21.1.99)

(2677) Sigmarszell. Von seinen drei kleinen Westallgäuer Pfarrgemeinden hat sich Seelsorger Josef Hoch kürzlich ohne größere Begründung verabschiedet. Jetzt ermitteln Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft gegen den 58jährigen katholischen Pfarrer aus dem Landkreis Lindau wegen wiederholtem sexuellem Mißbrauchs eines 15jährigen Jungen. Die Gläubigen in den Gemeinden verstehen die Weit nicht mehr, speiste sie zudem noch der bischöfliche Pressesprecher der zuständigen Diözese Augsburg zunächst mit der Feststellung ab, der Priester trete aus gesundheitlichen Gründen ein sogenanntes Sabbatjahr an, eine Behauptung, die schlechtweg falsch war. Erst als die Eltern des 15jährigen Opfers Anzeige bei der Lindauer Kriminalpolizei erstatteten und sich Pfarrer Hoch selbst beim stellvertretenden Generalvikar in Augsburg meldete, entschuldigte sich der bischöfliche Pressesprecher dafür, daß er die Öffentlichkeit falsch informiert hatte. (Süddeutsche Zeitung, 24.3.99)

(2678) Braunschweig. Das Urteil - acht Jahre Haft - gegen Pastor Klaus Geyer wegen Totschlags an seiner Ehe frau ist rechtskräftig. So entschied in Leipzig der Bundesgerichtshof. Klaus Geyer ist der erste Geistliche der deutschen Kriminalgeschichte, der wegen eines Tötungsdeliktes in Haft muß. Das Landgericht Braunschweig war überzeugt, daß der Pastor wegen mehrerer Affären mit anderen Frauen im Juli 1997 seine Ehefrau in einem Wald erschlagen hat. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 14.4.99)

(2679) Hamburg. Vor der Entscheidung des Papstes im Streit mit den deutschen Bischöfen über die Schwanger schafts-Konfliktberatung hat Joseph Kardinal Ratzinger mit aller Schärfe die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts kritisiert. Ratzinger warnte vor der Gefahr, daß in Teilen der Gesellschaft nach der Frage der Abtreibung auch die Frage der Euthanasie in Angriff genommen werden könnte - mit dem Unterschied, daß die davon betroffenen alten Menschen aufgrund ihrer großen Zahl eine bedeutende Wählerschicht darstellten, während sich die ungeborenen Kinder nicht verteidigen könnten. Entschieden wandte sich der Kardinal auch gegen die Abtreibungspille Mifegne (früher: RU 486). Es handele sich um ein Mittel zur Tötung, "bei der man gar nicht merkt, daß man jemanden tötet". Das sei eine "Perversion der Medizin". "Wo stehen eigentlich jene Gehirne, die faktisch doch wieder das tun, was damals getan wurde?" Generell zeigte sich der Kardinal tief besorgt über die wachsende Distanz der Menschen in Deutschland zur Religion und zum christlichen Glauben. Zwar gebe es nach wie vor "viel moralischen Großmut" und ein waches Bewußtsein der Verantwortung für die Armen. Aber "durch das multikulturelle Element in der modernen Gesellschaft, das immer stärker wird, wächst die Skepsis gegenüber jeder einzelnen Religion". Auch die Einführung von Islam-Unterricht an deutschen Schulen beurteilte Ratzinger skeptisch. Der Islam habe ein anderes Gesellschaftsbild als das Christentum, sehe eine Struktur vor, in der die Religion das Recht, die Gesetzgebung, das ganze Leben bestimme. (Frankfurter Neue Presse, 6.4.99)

Anm. MIZ: Zunächst kämpft Ratzinger dafür, daß die Religion (hier: das Christentum) das Recht, die Gesetzgebung und unser Leben bestimmt. Und dann wirft er genau dies dem Islam vor. Eine wahrhaft wunderliche Logik besitzen doch diese Theologen...

(2680) Berlin. In Deutschland fand 1996 jede vierte Bestattung ohne evangelischen oder katholischen Geistlichen statt. In norddeutschen Großstädten liegt der Anteil nichtkirchlicher Begräbnisse weit höher, schätzt Rudolf Knoche, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Trauerfeier (BAT). Auch jedes zehnte evangelische Kirchenmitglied und jeder 20. Katholik verzichtet auf eine kirchliche Beisetzung. (idea spektrum, 11/99)

(2681) Köln. Wieder einmal mußte eine Frau den religiösen Wahn ihres Lebensgefährten mit dem Leben bezahlen. "Ich halte es nicht mehr aus, daß er immer vom Teufel redet", schrieb Brigitte M. kurz vor ihrem Tod. Der Glaube an Gott und Teufel bestimmten das Leben von Markus W. Sein Alltag bestand aus Messgang, Beten und Beichten. Als sich Brigitte M. endlich von ihrem allzu frommen Lebensgefährten trennen wollte, stach dieser mit einem Messer auf sie ein und durchtrennte ihre Kehle. Danach schnitt er sich selbst die Pulsadern auf. (Express online, 1.3.99)

Anm. MIZ: Wie heißt es doch so teuflisch-christlich-schön? Du wirst dran glauben oder: Du wirst dran glauben...

(2682) Göttingen. Der Fall Lüdemann spitzt sich weiter zu. Der Theologe aus Göttingen hatte sich vor einem Jahr endgültig vom Glauben losgesagt, will seinen Posten als Professor aber dennoch behalten. [siehe MIZ 3/98, Meldung 2570]. Auf kirchliche Anerkennung könne er verzichten, meint Lüdemann, schließlich sei er Staatsbeamter und nur der Wissenschaft verpflichtet ("Man muß ja auch nicht Marxist sein, um den Marxismus zu erforschen"). Doch jetzt hat der niedersächsische Wissenschaftsminister Thomas Oppermann dem Drängen der Kirche nach gegeben und dem Professor auch die Abnahme theologischer Staatsexamina untersagt - bis zu einer endgültigen Lösung, wie es heißt. Da Lüdemann als Beamter unkündbar ist, wird er zu einem "mutwillig produzierten Totalausfall", kritisiert der Leipziger Philosophieprofessor Christoph Türcke, der sich als einer von wenigen öffentlich für den Dissidenten stark macht. Der Fall des ungläubigen Lüdemann rührt, so schreibt die Süddeutsche, "an eine Kernfrage, mit der sich die Theologie an staatlichen Universitäten immer wieder konfrontiert sieht: Wie kirchenunabhängig können ihre Professoren arbeiten? Und zu welchen Ergebnissen dürfen sie bei ihrer Forschung kommen? Denn bei theologischen Fakultäten handelt es sich um wissenschaftliche Einrichtungen wie andere auch: finanziert vom Staat, geschätzt durch die im Grundgesetz garantierte Wissenschaftsfreiheit." (Süddeutsche Zeitung, 30.3.99) Anm. MIZ: Der Fall Lüdemann beweist einmal mehr: Theologie ist unwissenschaftlich, schließlich gehört es zu den Grundfesten der Wissenschaft, daß sie ergebnisoffen, nicht an den Glauben an ewiggültige Wahrheiten gebunden ist. Lüdemann hat recht, wenn er statt doktrinärer Theologie eine säkulare, von Religionsgemeinschaften unabhängige Religionswissenschaft einfordert, denn nur dort könnten die Religionen der Vergangenheit und Gegenwart in einer Weise erforscht werden, die den Anforderungen einer multikulturellen, weltoffenen Gesellschaft entspricht.

(2683) Berlin/Frankfurt. In den Bundesländern verstärken sich Bestrebungen für eine Neuberechnung der Kirchensteuer, um die finanzielle Basis für die karitativen Aufgaben der Kirchen zu stärken. Der designierte hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) stimmte am Osterwochenende dem rheinlandpfälzischen Regierungschef Kurt Beck (SPD) grundsätzlich zu, daß die Koppelung der Kirchensteuer an die Lohn- und Einkommensteuer die finanzielle Basis der Kirchen schmälere. Beck hatte vorgeschlagen, die Kirchensteuer an das Bruttoeinkommen zu koppeln, da bei jeder Senkung der Einkommenssteuer auch das Kirchensteuer-Aufkommen zurückgehe. Auf ihrer nächsten Sitzung im Juni wollen die Ministerpräsidenten der Länder nun konkreter über Veränderungen bei der Kirchensteuer diskutieren. Zwei Mitglieder des Finanzausschusses des Bundestags, Mathias Schubert (SPD) und Gisela Frick (FDP), plädierten unterdessen für die Abschaffung der Kirchensteuer und ihre Ersetzung durch freiwillige Beiträge. Einen anderen Vorschlag machte der katholische Theologe Hans Küng: Die Verfügungshoheit über die Steuer sollte auf die Kirchengemeinden verlagert werden. Auf diese Weise würden die Bischöfe wieder lernen, mehr auf ihr Volk als auf die römische Zentrale zu hören. (Frankfurter Neue Presse, 6.4.99, Die Welt, 19.4.99)

(2684) Döbeln. Eine Pfarrerin aus Döbeln (Sachsen) darf nach ihrer Heirat mit einem Nichtchristen aus Marokko vorerst nicht mehr predigen. Im März des vergangenen Jahres hat nach Angaben der Leipziger Volkszeitung das EvangelischLutherische Landeskirchenamt Sachsen der Frau jede pastorale Tätigkeit untersagt. Der Sprecher des Landeskirchenamts, Matthias Oelke, bestätigte den Bericht. Nach seinen Angaben handelt es sich um den ersten Fall dieser Art in Sachsen. Nach Angaben Oelkes gibt es in der Kirche eine Richtlinie, die besagt, daß der Ehepartner eines Pfarrers ebenfalls der evangelischen Kirche beziehungsweise der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Sachsen angehören muß. "Das ist Pfarrer-Dienstrecht und die Voraussetzung für die Einstellung als Pfarrer und sein Berufsdasein", sagte Oelke. Es sei auch eine Frage der Wahrhaftigkeit, wenn jemand, der den christlichen Glauben predigt, eine Lebensgemeinschaft mit einem Nichtchristen eingehe. Die betroffene Pfarrerin Annemarie Colditz bezeichnete das Kirchengesetz als mittelalterlich. Die Frau hatte seit 1991 als Pfarrerin in Döbeln gearbeitet. Sie überlege nun, Döbeln zu verlassen. Die Pfarrerin hatte ihren Mann Ende Januar 1998 geheiratet. Ihr Ehemann ist nach ihrer Auskunft Atheist. (Yahoo Schlagzeilen, 29.3.99)

(2685) Mainz. Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Karl Lehmann hat den Nato-Einsatz im Kosovo als Friedensmission bezeichnet. Zwar sei jede Form der Gewaltanwendung zerstörerisch und erzeuge meist Gegengewalt, sagte der Bischof in seiner Predigt zum Ostersonntag. Dennoch gebe es Situationen, in denen die Würde und die Rechte der Menschen mit Gegenwehr verteidigt werden müßten. Dies könne man nur hinnehmen als verzweifelte Form der Beendigung von Gewalt und des Schutzes ohnmächtiger Menschen. (AOL- Newsbote, 4.4.99)

Anm. MIZ: "Stell Dir vor, es ist Krieg und keiner segnet die Waffen..." Zugeben: Lehmann ging in dieser Beziehung nicht so weit wie sein serbisch-orthodoxer Kollege in Belgrad. Dennoch sind auch seine theologischen Rechtfertigungen des Militärs letztlich kriegstreiberisch. Moralische Entrüstung statt politischem Weitblick, Stimmung statt Argumente, ein in diesen Tagen häufig zu beobachtendes Phänomen. Die religiösen Eiferer aller Fronten haben ihr Scherflein zur Entstehung des immer größer werdenden Elends beigetragen [siehe hierzu auch Meldung 2701].

(2686) Hechingen. Ein katholischer Pfarrer muß sich wegen des sexuellen Mißbrauchs von drei Kindern vor der Großen Strafkammer des Landgerichts Hechingen (Baden-Württemberg) verantworten. Zum Prozeßauftakt legte der Geistliche ein umfassendes Geständnis ab: "Ich möchte zu dem stehen, was ich getan habe".

Die Anklage wirft dem 39jährigen Priester vor, sich zwischen Ende 1996 und Mitte 1998 an zwei elf und 14 Jahre alten Jungen sowie einem zwölfjährigen Mädchen vergangen zu haben. Es gehe um insgesamt rund 30 bis höchstens 100 Fälle in seinem Pfarrhaus. Der Mann habe sexuelle Handlungen vorgenommen oder an sich vornehmen lassen. Er wurde nach einer Anzeige Mitte Dezember 1998 in Untersuchungshaft genommen. Die Erzdiözese Freiburg hat ihn vom Dienst suspendiert. (Yahoo, 19.4.99)

Österreich

(2687) Graz. Der Staatsanwalt wirft Franz Fuchs vorsätzliche Tötung vor. 28 Bomben soll der hochintelligente Eigenbrötler gebaut haben. Wer ist dieser Franz Fuchs, der drei blutige Anschläge mit Rohrbomben begangen und 25 Briefbomben versandt haben soll? Nein, rechtsextrem sei er nicht. Fuchs selber bezeichnet sich als "katholischen Fundamentalisten", der den erzkonservativen Bischof Krenn bewundert. (taz, 1.2.99) Anm. MIZ: Warum der künstliche Gegensatz zwischen Rechtsextremismus und katholischem Fundamentalismus? Da kommt doch nur zusammen, was zusammengehört...

(2688) Wien. Immer mehr Länder in West- und Osteueropa verletzen das Recht auf freie Religionsausübung. Die internationale Helsinki-Föderation für Menschenrechte, die Überwachungsbehörde der OSZE-Mitgliedstaaten hat in Wien einen dementsprechenden Bericht vorgestellt. Der Bericht spricht von "religiöser Diskriminierung" und "Verletzungen der Helsinki-Abkommen". Allerdings nicht gegenüber den großen Weltreligionen, sondern gegenüber religiösen Minderheiten. (Radio Vatikan, 17.3.99)

Frankreich

(2689) Paris. Ein Geschworenengericht in Paris hat die bisher härteste Strafe gegen eine "Beschneiderin" junger Mädchen ausgesprochen. Die 53jährige Hawa Greou aus Mali wurde zu acht Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Sie hatte serienweise auf Bitten von Müttern und Vätern deren Töchtern die Klitoris abgeschnitten. Hauptbelastungszeugin gegen Hawa Greou war eine in Paris lebende afrikanische Studentin. Die 24jährige sagte auch gegen die eigene Mutter aus, die zu zwei Jahren Haft verurteilt wurde und die Tochter im Gerichtssaal als "Lügnerin" verdammte. Hawa Greou erklärte zum Schluß: "Ich habe dies zu Ehren Gottes getan, ich wollte nichts Schlechtes tun." Die Studentin aber, die ihre Beschneidung als "Vergewaltigung und lebenslange Verstümmelung" ansieht, sag te: "Die Entscheidung ist gut so. Niemand kann mehr sagen, er habe nichts gewußt." (Westfälische Allgemeine Zeitung, 18.2.99)

(2690) Paris. Zehntausende Franzosen haben in Paris gegen einen Gesetzentwurf protestiert, der unverheirateten hetero- und homosexuellen Paaren mehr Rechte einräumen soll. Eine Gruppe von Politikern im Demonstrationszug wurde von der konservativen Abgeordneten Christine Boutin angeführt. Sie verlangte von dem sozialistischen Ministerpräsidenten Lionel Jospin, die Gesetzesvorlage zurückzuziehen. Innenminister Jean-Pierre Chevenement wies die Forderung jedoch zurück. Auf der zentralen Kundgebung sagte Boutin, Jospin solle auf die Stimme der Franzosen hören und die Vorlage zurückziehen. Chevenement erklärte jedoch im Fernsehen, dies komme nicht in Frage. Homosexuelle hätten Rechte wie andere Bürger auch. Der Gesetzentwurf sieht vor, daß hetero- und homosexuelle Partner über 18 Jahren ein Bündnis unterzeichnen können, das ihnen zum Beispiel den Weg zu Steuererleichterungen frei macht, wie sie Verheiratete genießen. Katholische, protestantische und muslimische Organisationen lehnen den Gesetzentwurf in seltener Einigkeit ab. (Yahoo Schlagzeilen, 1.2.99)

Großbritannien

(2691) London. Der Erzbischof von Cardiff, John Aloysius Ward, ist unter dem Verdacht festgenommen worden, ein Mädchen sexuell mißbraucht zu haben. Ward ist als Oberhaupt der katholischen Kirche in Wales einer der prominentesten Katholiken Großbritanniens. Die Katholische Kirche bestätigte die Festnahme. Die Polizei teilte mit, der Erzbischof werde schwerwiegender sexueller Delikte gegen ein Mädchen in den 60er Jahren beschuldigt. Er sei nach der Vernehmung durch die Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden. (Yahoo Schlagzeilen, 26.1.99)

(2692) London. Mit einem ungewöhnlichen Schritt hat Papst Johannes Paul II. eine hitzige Diskussion in Großbritannien ausgelöst. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche griff mit einem Brief an Premierminister Tony Blair in den Streit um die Auslieferung von General Pinochet ein und verstärkte damit den Druck auf die britische Regierung. Der Papst soll die britische Regierung aufgefordert haben, den 83jährigen Ex-Diktator sofort freizulassen. Der ehemalige Schatzkanzler Lord Lamont, der mit einer parlamentarischen Anfrage den delikaten Vorgang enthüllt hatte, stuft den Kirchenführer vorbehaltlos als treuen Bundesgenossen Pinochets ein. Hinter der Intervention des Vatikans wird eine Initiative des konservativen Kardinals Angelo Sodano vermutet. Das britische Sonntagsblatt Siinday Tinies meldete unter Berufung auf Informationen aus dem Vatikan, die Botschaft an den britischen Premierminister Tony Blair zugunsten einer Freilassung Pinochets "war Sodanos Werk." Der 72jährige Kardinal wird von der Zeitung als "zweitmächtigster Mann der katholischen Kirche", möglicher Papst-Nachfolger und "enger Freund" des Ex-Diktators beschrieben. Sodana war von 1977 bis 1988 päpstlicher Nuntius in Chile. In dem Schreiben wur den zur Begründung der Freilassung des 83 Jahre alten Generals humanitäre Gründe angeführt. Wie das Sonntagsblatt berichtet, habe Sodana sich zu dem Plädoyer des Vatikans auf Bitten der chilenischen Regierung entschlossen. Schon am 1. November sei Mariano Fernandez, Staatssekretär im chilenischen Außenministerium, auf der Sommerresidenz des Papstes südlich von Rom eingetroffen, um mit Vertretern des Vatikans darüber zu reden. Pinochet war im Oktober vergangenen Jahres auf Antrag spanischer Ermittler in London festgenommen worden. Er soll sich in Spanien wegen Völkermordes, Folter und Terrorismus vor Gericht verantworten. Unter seinem Regime waren von 1973 bis 1990 über 3.000 Menschen ermordet worden oder spurlos verschwunden. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 20.2.99, AOL-Newsbote, 21.2.99)

Niederlande

(2693) Groningen. Theologiestudenten an der Uni der niederländischen Stadt Groningen sind nicht mehr so bibelfest wie frühere Generationen. Deshalb fordern ihre Professoren Nachhilfe in Bibelkunde für Studentenneulinge. Man verlange nicht, daß ein Student jede Stelle korrekt zitieren könne, aber er müsse wissen, um was es etwa im Buch Exodus gehe. Ursache des Problems, so die Professoren: Es werde nicht mehr nach jeder Mahlzeit in der Bibel gelesen. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 19.1.99)

Anm. MIZ: Die Haltung der StudentInnen ist durchaus verständlich: Wahrscheinlich ist ihnen das Bibellesen nach der Mahlzeit zu sehr auf den Magen geschlagen...

(2694) Amsterdam. Niederländische Ärzte wollen eine schwimmende Abtreibungsklinik in Entwicklungsländer schicken, um dort Frauen einen Abbruch unter hygienischen Bedingungen zu ermöglichen. Frauen- und Medizinerverbände unterstützen das Projekt, für das ein geeignetes Schiff gesucht wird. Entwicklungshilfeministerin Evelien Herfkens erwägt eine finanzielle Beteiligung. Die Christdemokraten äußerten dagegen Bedenken. Das "Abtreibungsschiff" soll außerhalb der Hoheitsgewässer fahren, um auch Frauen aus den Ländern helfen zu können, in denen Schwangerschaftsabbrüche verboten sind. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 15.4.99)

Italien

(2695) Umbrien. In Italien hat der Aberglaube Hochkonjunktur. Jetzt wer den sogar im Fernsehen die Geister beschworen. Auch die staatliche TV-Anstalt RAI läßt jeden Abend eine kartenlegende "Zigeunerin" auftreten. Die Zuschauerquote ist enorm, selbst wenn die Probleme immer die gleichen sind: Amore, Gesundheit und Geld. Über 100.000 Magier zaubern nach Schätzungen zwischen Bozen und Palermo, und ein nicht unbeträchtlicher Teil von ihnen ist gewerkschaftlich organisiert. Die astrologisch-okkultistische Unterabteilung des katholisch orientierten Gewerkschaftsbundes umfaßt 1700 Mitglieder. Daß der Hokuspokus in der Region Umbrien per Verwaltungsgerichtsurteil als "Scharlatanerie" verboten wurde, stört Kartenleger und ihre Kundschaft nicht im geringsten. Etwa sechs Millionen Italiener lassen sich regelmäßig die Zukunft voraussagen, und helfen dem Berufsstand zu einem - vorsichtig geschätzten - Jahresumsatz von 1,5 Milliarden Mark. Das sind Zahlen, die die katholische Kirche zur Verzweiflung treiben. Immer wieder erläßt die Bischofskonferenz mahnende Hirtenbriefe, in denen der Aberglaube verdammt wird. Nicht von ungefähr hat Papst Johannes Paul II. im Vorfeld des Heiligen Jahres 2000 über 13.000 "Missionare" zur spirituellen Vorbereitung" der Römer ausgeschickt. (Saarbrücker Zeitung, 9.4.99)

Anm. MIZ: Armer, bedauernswerter Papst! Selbst ihm dürfte es schwerfallen, nachvollziehbar zu belegen, warum Kartenlegen Aberglaube, Jungfrauengeburt aber amtlich beglaubigte Wahrheit ist. Aber vielleicht gelingt es ihm ja mittels Teufelsaustreibungen [siehe hierzu die nachfolgende Meldung].

Vatikan

(2696) Vatikanstadt. Der Befehl an Beelzebub bleibt der gleiche. Weiche, Satan, sagt der Priester, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Ein Kreuz wird hochgehalten, Weihwasser versprengt, man spricht Psalmen und Gebete, und man singt. In dieser Weise soll in der katholischen Kirche auch künftig aus Personen, die man für besessen hält, der Teufel ausgetrieben werden. Das Ritual des Exorzismus ist nun von Papst Johannes Paul II. zum erstenmal seit 1614 aktualisiert worden. Daß "der böse Feind", wie er im Kathechismus heißt, auch heute in der Welt am Wirken sei, unterliegt im Vatikan, allem Spott von Andersgläubigen zum Trotz, keinem Zweifel. Dämonen sind nach katholischer Doktrin gefallene Engel, ihr unheilvoller Einfluß äußere sich durch Lüge, Betrug und Verwirrung. "Heute kann man sagen, daß in der Welt die Lüge herrscht, Menschen zu betrügen ist durchaus üblich", sagte der chilenische Kardinal Jorge Arturo Medina Estevez, der Präfekt der vatikanischen Kongregation für Gottesdienst und Sakramente. Vergötzung von Drogen, von Geld und von Sex: für die Kirchenführer alles Teufelswerk. Dem Fürsten der Finsternis Einhalt zu gebieten, sieht der Vatikan als Auftrag des Religions gründers Jesus an, der sich auch selbst als Exorzist betätigt habe, wie Johannes Paul II. unlängst erklärte. Nach dem neuen Regelwerk, das keinen Bruch mit der Tradition darstellt und im Auftrag des II. Vatikanischen Konzils die einschlägigen Riten im wesentlichen sprachlich modernisiert und erweitert hat, darf nur der zuständige Diözesanbischof die Genehmigung zum großen Exorzismus geben, nur ein Priester darf ihn aus führen. Wieviele Exorzisten derzeit tätig sind, ist nicht erfaßt, italienische Zeitungen sprechen von mehreren hundert. Exorzisten haben laut Kardinal Medina im Zusammenwirken mit Psychiatern zu prüfen, ob jemand, der sich als besessen betrachte, nicht einfach psychisch oder geistig krank sei. In einigen Ländern, etwa in Italien, haben Exorzisten großen Zulauf, manche treten sogar im Fernsehen auf. Der in Rom lebende sambische Bischof Emmanuel Milingo zog zeitweise zehntausende Gläubige an, seine Oberen mahnten ihn indes zur Zurückhaltung. Auch der Papst persönlich soll im Vatikan schon Teufelsaustreibung praktiziert haben. Der französische Kardinal Jacques Martin, vormals Präfekt des Päpstlichen Hauses, berichtete 1993, elf Jahre zuvor seien der Bischof von Spoleto und ein Pfarrer aus einem umbrischen Dorf mit einer besessenen Frau zu Johannes Paul II. gekommen. Dieser habe die Beschwörungsformeln gesprochen und ihr damit geholfen. (Süddeutsche Zeitung, 27.1.99)

Anm. MIZ: Was soll man dazu noch sagen? Versuchen wir es mit einem Gedicht:"Drum verbieten sie das Denken/Sie indizieren selbst den guten alten Kant/Nun, wenn es einen Teufel gäbe/ Er trüge sicherlich ein geistliches Gewand!" (Aus:Das Maria-Syndrom)

(2697) Vatikanstadt. Papst Johannes Paul II. hat sich gegen die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen. In einer Rede vor dem kirchlichen Ehegericht Rota Romana am 21. Januar sagte der Papst, solche Beziehungen seien Abweichungen von der göttlichen und natürlichen Norm. Ferner erklärte Johannes Paul II., es sei widersinnig, gleichgeschlechtlichen Paaren einen eheähnlichen Status zuzubilligen. Zu den objektiven Voraussetzungen einer Ehe gehöre die biologische und seelische Ergänzung von Mann und Frau. Der Papst betonte, es gehe ihm nicht um eine Verurteilung als vielmehr darum, an die Gültigkeit bestimmter unverzichtbarer Prinzipien nicht nur für Christen, sondern für alle Menschen zu erinnern. (Radio Vatikan, 21.- 23.1.99) Anm. MIZ: Wir danken sehr für die freundliche Erinnerung. Es bleibt also alles beim Alten: In der katholischen Welt gibt es natürlichen und unnatürlichen Sex. Schade nur (für den Papst und seine Kirche) daß Mutter Natur sich scheinbar nicht einen Deut um katholische Definitionen schert. Mutter Natur strotzt nämlich nur so von wildem, "unnatürlichem Sex": Wann erscheint endlich die Enzyklika, in der der Papst den Teufel für die Promiskuität der Bonobos oder das geradezu widernatürliche Liebesleben der Bettwanzen verantwortlich macht? Wir dürfen gespannt sein.

(2698) Vatikanstadt. Horst "Derrick" Tapperts neuer Film schlägt kräftige Wellen im Vatikan: Die "geistliche Würde von Priestern" werde dabei verletzt, wie die Mailänder Tageszeitung Corilere della sera berichtet. Der Fernsehfilm mit Tappert ist der römisch-katholischen Kirche mehr als ein Dorn im Auge: Tappert spielt einen Kardinal, der auf eine junge Frau trifft, die ihm vorwirft seines Amtes nicht würdig zu sein. Wie sich im Verlauf des Filmes herausstellt, ist die Frau die Tochter des Geistlichen. Der Film thematisiert, wie der Gottesmann vor Kirchenhierarchie und Gesellschaft mit dieser Entdeckung umgeht. Kurienkardinal Alessandro Maggiolini fordert das ZDF und RAI-Fiction auf, die Dreharbeiten einzustellen. "Ich denke mir", erklärte Maggiolini der Mailänder Tageszeitung Corriere della sera gegenüber, "es wäre richtig, wenn man Geistliche der katholischen Kirche nicht in dieser Weise zu Figuren von Femsehfilmen werden läßt". So werde die "geistliche Würde von Priestern verletzt". Die RAI verteidigt das Filmprojekt, denn schließlich sei das Staatsfernsehen kein Kirchenfernsehen und könne unabhängig vom Einspruch der Kirche Thematiken auswählen. (Reformierte Presse, 20.1.99)

(2699) Vatikanstadt. Gott hat das Leid nach den Worten von Papst Johannes Paul II. nicht gewollt und es doch zugelassen, als es mit der Sünde in die Welt kam. In einer theologischen Ansprache über die göttliche Vorsehung sagte der Papst vor mehreren zehntausend Menschen im Vatikan, die Bibel zeige, daß Gottes Vorsehung für die gesamte Schöpfung sorge. Das Leid sei durch die Sünde der Menschen in die Welt gekommen, und Gott habe es zugelassen, um die Menschen zu retten, da Gott das Böse in Gutes wandelt. (Frankfurter Rundschau, 25.3.99)

Anm. MIZ: Alles klar? Das Böse ist da, um die Menschen zu retten. Wir können also weiterhin mit Gottes Hilfe Krieg spielen. Hipp Hipp Hurra! Wir haben es doch gewußt: Zum Wohle der Menschheit donnern die Kanonen! Zum Wohle der Menschen brennen die Städte! Welch solides ethisches Fundament das Christentum doch ist...

Spanien

(2700) Madrid. Die katholische Kirche in Spanien hat zwei Tage nach der Wahl einer neuen Führung scharfe Kritik an den öffentlichen Anti-Aids-Kampagnen geübt. Der neugewählte Vizepräsident der Bischofskonferenz, Kardinal Ricard Maria Carles, betonte in einem Hirtenbrief, die Keuschheit sei ein besseres Mittel im Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Aids als der Gebrauch von Kondomen. Der in den Anti-Aids-Kampagnen propagierte "sichere Sex" bedeute eine "Banalisierung der Ethik", heißt es nach Presseberichten in dem Papier. Die beste Vorbeugung gegen Aids seien "die Enthaltsamkeit und die Treue zu einem nichtinfizierten Partner". Nach Angaben von El Pais bestätigte Spaniens Kirche mit dem Hirtenbrief die Vermutung, daß die neue Führung einen streng konservativen Kurs einschlagen würde. (AOL-Newsbote, 5.3.99)

Griechenland

(2701) Athen. Das Oberhaupt der orthodoxen Kirche Griechenlands, Erzbischof Hristodoulos, hat die Bombardements der Nato auf Jugoslawien als eine "Satansbewegung" bezeichnet. "Es handelt sich um Morde, die unter dem Vorwand der Menschlichkeit verübt werden", sagte der griechische Erzbischof in Piräus. Zuvor hatte Hristodoulos einen Konvoi mit Hilfsgütern für Jugoslawien gesegnet. Hristodoulos fügte hinzu, daß die Fortsetzung der Bombardements auf Jugoslawien während der Osterfeiertage "ein Schandmal in alle Ewigkeit für die Christen des Westens sein werden. Hinter diesem Unternehmen verbergen sich Pläne für eine neue Ordnung auf dem Balkan", sagte Hristodoulos. (AOL-Newsbote, 14.4.99)

Anm. MIZ: Daß der griechisch-orthodoxe Erzbischof seinen serbisch-orthodoxen Glaubensbrüdern zur Seite springt ist nicht verwunderlich, sondern zeigt noch einmal deutlich auf, daß der Krieg im Kosovo auch und vor allem starke religiöse Hintergründe hat.

Polen

(2702) Auschwitz. Die Regierung des Landes hat beschlossen, Schutzzonen um ehemalige Konzentrationslager einzurichten. Mit einem Gesetz hofft die Regierung jetzt, die Auseinandersetzung um die Kreuze am Rande des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz zu beenden [vgl. MIZ 3/98, Meldung 2573]. Jüdische Organisationen hatten mehrfach gegen die Aufstellung von Kreuzen protestiert. Regierung und Bischöfe hatten sich für die Entfernung der Kreuze ausgesprochen, abgesehen von einem acht Meter hohen Kreuz, das an den Besuch von Papst Johannes Paul II. in Auschwitz erinnert. (Radio Vatikan, 14.4.99)

Jugoslawien

(2703) Kosovo. Die UNO will an Frauen aus dem Kosovo, die vor ihrer Flucht von serbischen Soldaten vergewaltigt worden sind, die sogenannte "Pille für den Tag danach" ausgeben - zum Ärger des Vatikans. Die Verteilung dieses Medikaments wird in Italien von zahlreichen Frauenorganisationen und Parteien begrüßt, denn, so ein Regierungssprecher, "Kinder des Hasses kann man nie lieben". Der Vatikan ist allerdings strikt dagegen. Es sei ein Unding, so das vatikanische Presseamt, daß die Vereinten Nationen Frauen dazu überreden wollen, entstehendes Leben zu töten. "Diese Pille", schreibt Kardinal Elio Sgreccia, Vizepräsident des päpstlichen Rates für das Leben, in der Zeitung der Bischofskonferenz "dient einzig der Tötung und hat nichts mit jener Pille zu tun, die einer Schwangerschaft vorbeugen soll und über die man in einem Fall wie dem drohender Vergewaltigung vor einer gewaltsamen Vertreibung diskutieren kann". Der Kardinal spricht in diesem Zusammenhang auch von einem Vorfall vor einigen Jahren im Kongo, als katholische Ordensfrauen aus Angst vor Vergewaltigungen die Pille nahmen. Für die Kirche, erklärt Sgreccia, könne es die Möglichkeit einer "präkoitalen Verhütung" in bestimmten Situationen geben, "nicht zur Diskussion steht allerdings eine postkoitale Verhütung, die in jedem Fall einer Abtreibung und Tötung werdenden Lebens gleich kommt". Der Vatikan findet es deshalb "skandalös" daß "man in der UNO das Veto des Heiligen Stuhls gegen eine Entscheidung für die Pille für den Tag danach einfach übergeht und zur Tat schreitet". Auf diplomatischem Wege will man UN-Generalsekretär Annan überzeugen, daß die Verteilung dieses Medikaments, so Kardinal Sgreccia, "unmenschlich und für die betroffenen Frauen entwürdigend ist". (Refomiierte Presse, 15.4.99)

Anm. MIZ: Ob die betroffenen Frauen (in der Regel ja keine Katholiken!) besonders glücklich darüber sind, daß sie nach Ansicht des Vatikans nun doch im voraus die Pille hätten nehmen dürfen? Ob auch sie der Meinung sind, daß die Verteilung des Medikaments unwürdiger ist, als das erzwungene Austragen eines durch Vergewaltigung entstandenen Kindes?!

Bosnien-Herzegowina

(2704) Sarajevo. Der Krieg im Kosovo und die Flüchtlingsströme gefährden die Stabilität im Nachbarland Bosnien-Herzegowina. Diese Ansicht vertrat der Erzbischof von Sarajevo, Kardinal Vinko Puljic. Er erklärte, daß die Flüchtlinge auch nach Bosnien strömten und dort die ethnische Zusammensetzung zwischen Muslimen, Orthodoxen und Katholiken veränderten. Diese könne zu neuen Konflikten in dem Land führen. (Radio Vatikan 11./14.4.99)

Tschechien

(2705) Prag. Knapp zwei Drittel aller Tschechen sind einer Meinungsumfrage zufolge Atheisten. Nur 35 Prozent der Befragten hätten angegeben, an Gott zu glauben, teilte das Meinungsforschungsinstitut STEM in Prag mit. Befragt worden waren 1674 Personen über 18 Jahre. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 18.3.99)

(2706) Broumov. Eine Kopie des "Turiner Grabtuches" ist im westböhmischen Benediktinerkloster Broumov entdeckt worden. Nach Angaben des tschechischen Fernsehens haben die Mönche das Tuch in einem Reliquiar unter einer Konventskapelle entdeckt. In einem beigefügten Schreiben vom 4. Mai 1651 des damaligen Turiner Erzbischofs, werde die Authentizität der Kopie bestätigt. (Radio Vatikan, 21.-23.1.99) Anm. MIZ: Welches von den beiden Tüchern ist denn nun die echte Fälschung?

Nordamerika

U.S.A.

(2707) St. Louis. Für Verärgerung sorgte das Geschäftsgebaren der katholischen Kirche im Zusammenhang mit dem Besuch des Papstes in St. Louis. Während das Spektakel zu einem beträchtlichen Teil vom Steuerzahler finanziert wird (allein die Sicherheitsmaßnahmen schlagen mit mehreren Hunderttausend Dollar zu Buche), verlangt die örtliche Erzdiözese für Radio- und TV-Berichterstattung eine Lizenzgebühr von bis zu 20.000 Dollar. Bei den örtlichen Medien stieß dies auf teilweise heftige Kritik. (E-Mail-Newsletter der American Atheists, 24.1.99)

(2708) Traverse City. In den USA bleibt das Fluchen verboten. Timothy Boomer (24) aus Michigan muß daher 90 Tage in Haft. Der Mann war aus dem Kanu geplumpst, hatte laut geflucht, sich aber auf sein Recht auf freie Meinungsäußerung berufen. Erfolglos: das Anti-Fluch-Gesetz von 1897 hat Vorrang. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 10.2.99)

Lateinamerika

Mexiko

(2709) Mexiko City. Für den Nuntius in Mexiko, Justo Mullor, herrschen moderne Zeiten. Und moderne Zeiten sind voller Botschaften. Da muß sich auch die Kirche anpassen - oder noch besser: sie muß dies zum eigenen Zwecke nutzen. "Ich denke nicht, daß es skandalös ist, wenn der Papst auf Werbeplakaten von Pepsi erscheint", erklärte Mullor jüngst als Antwort auf eine Kontroverse, die den Papst-Besuch demnächst in Mexiko-Stadt überschattet. Zu einer Kontroverse geriet das Sponsoring erst, als ausgerechnet Sabritas, der Hersteller von Kartoffelchips, eine Werbekampagne mit dem Papst-Konterfei startete. Käufer der Knabbereien finden zehn Sticker mit dem Foto von Johannes Paul II. samt einem Bild der Jungfrau Guadelupe in den Tüten.

Der Verkauf von neun Millionen Stikker-Alben in einem Land mit rund 86 Millionen Katholiken dürfte nicht allzu schwer sein und soll insgesamt 200.000 Dollar für die Finanzierung des Besuchs einbringen. Kritiker monieren nicht nur die Profanierung des höchsten Kirchenoberhaupts und der Nationalheiligen, sie notieren auch mit Erstaunen, wie eine der reichsten Institutionen der Welt zu diesem Mittel der Vermarktung greifen könne. Die katholische Kirche rechtfertigt sich, daß der Papst weder mit dem Kartoffelchips-Hersteller in Verbindung gebracht noch als "Kartoffel verkleidet" auf treten werde. "Den Reinen ist alles rein", argumentierte der Kardinal von Mexiko-Stadt, Norberto Rivera. Allein ein Bischof wagte vorsichtig anzumerken, daß die Kirche bisher immer "den Konsum angeprangert" habe.

Doch wo Geld knapp ist, herrschen andere Sitten. Denn nicht nur scheint Mexikos Regierung, die den 78jährigen zum vierten Mal seit 1979 empfängt, unwillens, für die Reisekosten aufzukommen. Auch die katholische Kirche vor Ort hat nicht ausreichend Kleingeld im Klingelbeutel, wie die Medien erfahren mußten. 300 Dollar verlangte die Kirche anfänglich für die Akkreditierung von Journalisten. "Eine unverschämte Summe", klagte ein Reporter, "nicht einmal Kuba traute sich das." (Stuttgarter Zeitung, 18.1.99)

Brasilien

(2710) Rio de Janeiro. Die katholische Kirche wird sich bei den Indios und den Schwarzen in Brasilien für die gegen die Vorfahren dieser Minderheiten jahrhundertelang ausgeübten Gewalt entschuldigen. Die Bitte um Entschuldigung werde im nächsten Jahr anläßlich der 500-Jahres-Feier des südamerikanischen Landes öffentlich formuliert werden, berichtete die Zeitung Folha am Mittwoch unter Berufung auf einen Sprecher der Brasilianische Bischofskonferenz (CNBB).

Die CNBB will sich den Angaben nach aber nicht nur für die Fehler der Vergangenheit entschuldigen, sondern auch zur Bekämpfung der Greuel der Gegenwart verpflichten. "Die Jagd auf Indios und die Diskriminierung der Schwarzen setzt sich in diesen Tagen in Brasilien fort", beklagt Bernardino. Ein großer Teil der katholischen Kirche unterstützte in Brasilien jahrhundertelang die erst 1888 offiziell abgeschaffte Versklavung von Schwarzen sowie auch die gewalttätigen Übergriffe der portugiesischen Eroberer gegen die indianischen Ureinwohner. (Yahoo-Schlagzeilen, 31.3.99)

Venezuela

(2711) Caracas. Die Bischofskonferenz des Landes hat sich gegen die Sterilisation von Frauen ausgesprochen. Hintergrund ist eine Initiative der Regierung, mit einer solchen Maßnahme die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung zu heben. Geplant ist, daß sich Frauen über 26 Jahren mit mindestens zwei Geburten oder mit schweren Gebrechen sterilisieren lassen können. (Radio Vatikan, 22.-24.2.99)

Anm. MIZ: Wohlgemerkt, die Betonung liegt auf "können". Es soll keine Zwangssterilisation stattfinden. Aber auch diese Möglichkeit der Geburtenkontrolle will die Kirche nicht erlauben. Die Weltkirche braucht Nachwuchs...

Asien

Japan

(2712) Nagano. Ihre Opfer sind seit Jahren tot, doch die Aum-Sekte ist quicklebendig. Vier Jahre nach der Saringasattacke vom 20. März 1995, bei der zwölf Menschen getötet wurden, wirbt die Sekte wieder munter Mitglieder und kauft in ganz Japan neue Grundstücke und Häuser. Sektenguru Shoko Asahara steht zwar vor Gericht, doch seine Organisation ist von der japanischen Regierung nie verboten worden. Nur einzelne Japaner wie die Bewohner des Dorfes Kitamimaki in der Nähe der Olympiastadt Nagano haben der Sekte den Kampf angesagt. Sie hindern die Jünger Asaharas daran, ein neuerworbenes Haus in ihrem Dorf zu betreten. "Wir wollen hier kein einziges Mitglied dieser Sekte haben", sagt Hiroshi Arai, Beamter bei der Kreisverwaltung von Kitamirnaki.

Dutzende von Freiwilligen stehen seit Wochen rund um die Uhr vor dem mit Stacheldraht umzäunten Grundstück Wache. Als das erste Mal zwanzig Aumjünger vor dem Grundstück auftauchten, jagten die wehrhaften Dörfler sie sofort wieder weg. Während die Opfer weitgehend im Stillen leiden, konnte die Sekte ein sehr öffentliches Comeback inszenieren. Sie wirbt aktiv um Anhänger und hat bereits wieder zwischen ein- und zweitausend aktive Gefolgsleute. Aum veranstaltet Seminare, für die jeder einzelne Teilnehmer viel Geld bezahlen muß. Dies ist auch der Grund für die aktive Suche nach Grundstücken und Häusern. (Frankfurter Rundschau, 22.3.99)

Israel

(2713) Jerusalem. Der Vatikan hat Israel gebeten, den Bau einer Moschee nahe der christlichen Verkündigungsbasilika in Nazareth nicht zu gestatten. Der apostolische Nuntius in Israel, Pietro Sambi, sagte am Mittwoch im Anschluß an ein Treffen mit Vertretern des israelischen Ministeriums für religiöse Fragen, er habe den Widerstand der Christen gegen das Projekt zum Ausdruck gebracht, das die für das Jahr 2000 in Nazareth geplanten Festlichkeiten gefährde. Sambi erinnerte daran, daß die christlichen Kirchen im Heiligen Land ihre Aktion von Beginn des Monats wiederholen und aus Protest gegen die Gewalttätigkeiten zwischen Moslems und Christen die Gotteshäuser für zwei Tage oder länger schließen könnten. Zu Spekulationen, Papst Johannes Paul II. könne seine für das kommende Jahr vorgesehene Reise ins Heilige Land absagen, meinte der Nuntius, "man soll nicht übertreiben".

Für die Gewalttätigkeiten, bei denen am Ostersonntag 27 Menschen verletzt worden waren, machte Sambi "eine kleine Gruppe moslemischer Extremisten" verantwortlich, die zum größten Teil nicht aus Nazareth stammten. Er habe nichts gegen den Bau einer Moschee in Nazareth. Diese könne aber nicht in der Nähe der Verkündigungsbasilika entstehen, weil dadurch die christlichen Pilger beeinträchtigt würden. Die Christen Nazareths wollen auf einem fast 2000 Quadratmeter großen Grundstück in der Nähe der Basilika einen Parkplatz für die Pilger bauen, die im kommenden Jahr zu Hunderttausenden in Nazareth erwartet werden. Nazareth, die größte arabische Stadt in Israel, wird von einem christlich-kommunistische Bürgermeister regiert, der sich für das Projekt "Nazareth 2000" stark macht. (AOL-Newsbote, 14.4.99)

Iran

(2714) Teheran. Das iranische Oberste Gericht hat die gegen den deutschen Geschäftsmann Hofer verhängte Todesstrafe aufgehoben. Es solle eine neue Verhandlung geben. 17 Monate saß Hofer im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran, 13 Monate davon in der Todeszelle. Hofer war im vergangenen Jahr wegen einer angeblichen sexuellen Beziehung zu einer Moslemin verurteilt worden. Nach dem islamischen Recht kann gegen einen nicht-moslemischen Mann die Todesstrafe verhängt werden, wenn er außerehelicher sexueller Beziehungen zu einer Moslemin für schuldig befunden wird. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 22.2.99)

Bangladesch

(2715) Dhaka. In Bangladesch ist ein Magazin verboten worden, weil es ein Gedicht von Taslima Nasrin enthält. Die Regierung begründete das Verbot damit, das Gedicht verletze die Gefühle der moslemischen Bevölkerung. Taslima Nasrin war 1994 von radikalen Islamisten mit Morddrohungen verfolgt worden und in den Westen geflüchtet [vgl. MIZ 3/98, Mel dung 2586]. Zur Zeit lebt die Feministin im schwedischen Exil. (Westfälische Allgemeine Zeitung, 7.4.99)

(2716) Jessore. In Jessore haben mut maßliche Moslem-Extremisten bei einem Bombenanschlag in einem Theater mindestens sechs Menschen getötet und 100 schwer verletzt. In dem Theater in der Stadt Jessore fand ein Festival der antifundamentalistischen Gruppe "Udiche" statt. (Westfälische Allgemeine Zeitung,8.3.99)

Indien

(2717) Kalkutta. Der Orden Mutter Teresas hat die Gläubigen um WunderBerichte für eine rasche Heiligsprechung der katholischen Ordensgründerin gebeten. Das sagte Sunita Kumar, die Sprecherin der "Missionarinnen der Nächstenliebe" der dpa in Kalkutta. Der Papst hatte das Kirchengesetz geändert, um das Verfahren zur Seligsprechung Mutter Teresas vorzeitig einzuleiten. Schwester Nirmala, die Nachfolgerin Mutter Teresas, sagte nach Angaben ihrer Sprecherin: "Wir beten alle, und wir bitten alle, die wollen, daß Mutter selig- und heiliggesprochen wird, ebenfalls zu beten." Der Erzbischof von Kalkutta, Henry D'Souza, hält es nach indischen Presseberichten für möglich, daß Mutter Teresa schon im Jahr 2000, dem Heiligen Jahr der katholischen Kirche, heiliggesprochen werden könnte. D'Souza muß die für das Verfahren nötigen Berichte über das Leben Mutter Teresas und die Wunder, die sie angeblich gewirkt hat, zusammenstellen. In diesem Zusammenhang wurde bekannt, daß der Papst im Fall Mutter Teresas das Kirchengesetz außer Kraft gesetzt hat, wonach der Prozeß zur Seligsprechung erst fünf Jahre nach dem Tod eröffnet werden durfte. (AOL-Newsbote, 2.3.99) Anm. MIZ: Mutter Teresa ist wahrlich eine Heilige, wie sie im Buche steht! Der vielgepriesene "Engel der Armen" war nämlich in Wirklichkeit ein unerbittlicher Todesengel. Teresa wollte keine Menschen, sondern Seelen retten. Ihr Lebensziel war es, möglichst viele Menschen zum Christentum zu bekehren. Die Heilung irdischer Gebrechen geriet dabei völlig in den Hintergrund. Konsequent wie die "Heilige in spe" nun einmal war, investierte sie deshalb auch die vielen Millionen Dollar, die ihrem vermeintlichen Hilfswerk gespendet wurden, nicht in die dringend notwendige bessere medizinische Versorgung der Kranken, nein, Teresa wußte damit Besseres anzufangen: Sie bunkerte das Geld auf Konten des Vatikans - zum Zwecke einer weiteren Christianisierung der Welt. Zu diesem Zweck stieg Teresas Orden auch in das illegale Adoptionsgeschäft ein, die barmherzigen Schwestern entführten indische Kinder, um sie im Westen gegen harte Währung abzusetzen. (Freilich: Dies alles war nur zum Besten der Kinder gemeint. Schließlich wurden sie ja per Adoption vom moslemischen bzw. hinduistischen Aberglauben befreit und landeten in guten christlichen Familien ... ) Kurzum: Mutter Teresa, mit ihrem blinden Missionseifer, ihrem fanatischen Demokratiehaß und ihrer tiefen Verbundenheit zu den diversen Diktatoren und Folterknechten dieser Welt, hat gute Chancen, zur Heiligen des Jahrhunderts gekürt zu werden. Aufklärung tut not!

(2718) Dehli. Rund 5000 Hindupriester und religiöse Führer haben sich in einem sogenannten "religiösen Parlament" zusammengeschlossen und ein Verbot christlicher Missionare gefordert. Nach Angaben der Asiatischen Katholischen Nachrichtenagentur, wolle man so der Bekehrung zum Christentum entgegenwirken. Zusätzlich verabschiedeten sie ein 40-Punkte-Programm, das auf eine Vergrößerung der Macht der Hindus ab zielt. Der Führer des Weltrats der Hindus, der die Konferenz veranstaltet hatte, forderte die Teilnehmer auf, nicht bei der Regierung Hilfe zu suchen, sondern sich, so wörtlich, als "Armee Gottes" zu betrachten und daher das "Reich Gottes" auszudehnen. (Radio Vatikan, 11./13.2.99)

(2719) Dehli. Die Oberinnen katholischer Orden in Indien haben zu Versöhnung aufgerufen. Angesichts der Angriffe von Hindu-Fundamentalisten auf die Christen wollen die Ordensfrauen sich vereint dem Schutz des Laizismus widmen. (Radio Vatikan, 22./24.2.99)

Anm. MIZ: Leider setzen sich Religiöse nur dann für Laizismus ein, wenn sie selber in der Minderheit sind.

Indonesien

(2720) Jakarta. Bei Zusammenstößen zwischen Christen und Moslems sind nach Angaben der Polizei mindestens 17 Menschen getötet worden. Die Polizei habe auf der ostindonesischen Insel Ambon wiederholt Warnschüsse abgefeuert, um die mit Macheten, Speeren und Brecheisen bewaffneten Mengen auseinanderzuhalten. Rund 100 Menschen seien schwer verletzt und über 30 Häuser niedergebrannt worden. Auch sechs Gotteshäuser seien in Brand gesteckt worden. Die Ausschreitungen standen mit dem islamischen Fest zum Ende des Ramadans im Zusammenhang. In den letzten Monaten war es in Indonesien immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Vertretern beider Religionsgruppen gekommen. Auch von der Hauptinsel Java wurden Zusammenstöße gemeldet. (Main-Echo, 21.1.99)

Afrika

Namibia

(2721) Windhuk. Der Namibische Kirchenrat hat die Entschuldigung der Niederländisch-Reformierten Kirche wegen ihrer jahrelangen Unterstützung der ApartheidPolitik akzeptiert. "Wir sollten vergeben und sind bereit zu verzeihen, auf daß die Niederländisch-Reformierte Kirche nicht länger von Sühne, Schuld und Isolation überwältigt ist", sagte der Generalsekretär des Kirchenrates, Ngeno Nakamela, in einem Versöhnungsgottesdienst in Windhuk. Die Niederländisch- Reformierte Kirche hatte die Politik der Rassentrennung der früheren Kolonialmacht Südafrika mit der Bibel gerechtfertigt. Weder in Namibia noch in Südafrika duldete die Kirche gemischtrassige Gemeinden und Ehen. (Darmstädter Echo, 6.3.99)

Ruanda

(2722) Kigali. Ruanda hat "mit Empörung" auf Kritik des Vatikans an der Festnahme eines römisch-katholischen Bischofs wegen dessen angeblicher Beteiligung an dem Völkermord in dem ostafrikanischen Land reagiert. Der 56jährige Bischof Augustin Misago sei "wegen seiner persönlichen Verwicklung in Verbrechen" und nicht in seiner Eigenschaft als Kirchenvertreter inhaftiert worden, er klärte Regierungssprecher Wilson Rutayisire. "Wenn aber die katholische Kirche glaubt, Bischof Misago habe in ihrem Auftrag gehandelt, dann soll sie sich vor Gericht wegen der Völkermordvorwürfe verantworten." Der Vatikan hatte mit "Schmerz und Bedauern" auf die Festnahme des Bischofs reagiert. Dadurch werde nicht nur die Kirche in Ruanda, sondern die gesamte katholische Kirche "verletzt". Auch würden die Beziehungen zwischen Ruanda und dem Heiligen Stuhl erheblich gestört, sagte Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls. Misago wird vor geworfen, vor fünf Jahren zahlreiche Menschen des Tutsi-Volkes an Mordbanden der Hutu ausgeliefert zu haben. Er sei von Überlebenden beschuldigt worden, Massaker unterstützt zu haben. Unter anderem sei er für die Ermordung von 19 Schulmädchen in der Diözese Gikongoro im Süden Ruandas mitverantwortlich. Bei den Massakern waren 1994 mehr als eine halbe Million Tutsi umgebracht worden. Der Bischof ist der bislang höchste von mehr als 30 Vertretern der katholischen Kirche, die in Ruanda im Zusammenhang mit dem Völkermord inhaftiert wurden. Bislang wurden zwei von ihnen zum Tode verurteilt. (AOL-Newsbote, 16.4.99).


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Letzte Änderung: 23.4.2008