Pressemitteilung zum Anlaß der "Paracelsus Messe"
vom 27. bis 30 Januar 1994 in Wiesbaden

Skeptiker kritisieren Förderung unwissenschaftlicher Therapien

Die deutsche Skeptiker-Gesellschaft GWUP wendet sich in scharfer Form gegen die zunehmende öffentliche Unterstützung zweifelhafter medizinischer Therapien und Diagnoseverfahren. In die Reihe politischer Lobbyisten reiht sich nun auch die vom 27. bis 30. Januar in Wiesbaden stattfindende "Paracelsus-Messe". Neben ihrer Propaganda für ein Sammelsurium von widerlegten und veralteten Therapien und Diagnoseverfahren wirbt sie für eine noch stärkere Förderung unsinniger Methoden. In der Podiumsdiskussion "Warum wird die Naturheilkunde von Gesetzgeber und den Kostenträgern nicht stärker gefördert?" soll offenbar politischer Druck ausgeübt werden.

Die GWUP bedauert die offizielle Unterstützung der Messe durch die Schirmherrschaft der hessischen Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, Iris Blaul. Das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst hatte sich dagegen auf Anfrage des hessischen Landtagsabgeordneten Karl Dörr (Groß-Umstadt) und des SPD-Landesgeschäftsführers Norbert Schmitt von der Messe distanziert. In diesem Zusammenhang kritisiert die GWUP auch das Urteil des Bundesgerichtshofes (Az. IV ZR 135/92), wonach künftig private Krankenkassen die Kosten auch für "wissenschaftlich nicht allgemein anerkannte Untersuchungs- und Behandlungsmethoden" übernehmen müssen. Damit wird die Verschwendung von Krankenkassenbeiträgen erzwungen, ohne daß den Patienten geholfen wird.

Die GWUP wendet sich nicht gegen naturgemäße Heilverfahren, sondern gegen unbelegte Methoden unter dem Deckmantel der Naturheilkunde. Die GWUP fordert die Verantwortlichen in Politik und Justiz nachdrücklich dazu auf, dem Druck der Lobbyisten nicht nachzugeben und nur die Kosten belegter Methoden zu erstatten. Wissenschaftliche Untersuchungen gestatten es, auch bei ungeklärten Methoden die Frage der Wirksamkeit zu prüfen und zu beantworten. Ein solcher Wirksamkeitsbeleg wurde für die meisten in der Messe angepriesenen Methoden nicht erbracht. Statt dessen wird auf Wunschdenken gesetzt.

In der Unterstützung und Duldung von Pseudowissenschaften von offizieller Seite sieht die GWUP auch einen Grund für die derzeitige gefährliche Ausbreitung pseudowissenschaftlicher Vorstellungen. In schwierigen Zeiten ist es besonders leicht, Ängste zu schüren und falsche Hoffnungen zu wecken. Da ist es kein Wunder, daß Menschen sich unseriösen Therapeuten anvertrauen. Daß dies auch tödliche Folgen haben kann, zeigt das Beispiel des in der Öffentlichkeit als "Katharina" bekannten Kindes. Es starb, nachdem seine Eltern in Verkennung der Situation das Kind von einer erfolgversprechenden Therapie abhielten. Das Kind verlor so seine Überlebenschance.

Verantwortlich:

Amardeo Sarma, GWUP,


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Gerald.Huber@geographie.uni-regensburg.de

Letzte Änderung: 24. Juli 1997