Kronzeuge der Astrologen widerlegt

Als Seifenblase zerplatzt ist am 25. September die letzte Hoffnung vieler Astrologen auf eine wissenschaftliche Stütze der Sterndeuterei. Auf der 6. Europäischen Skeptiker-Konferenz in Ostende (Belgien) wurden Behauptungen des 1991 verstorbenen französischen "Neo-Astrologen" Michel Gauquelin widerlegt. Gauquelin wollte in mehreren statistischen Untersuchungen seit den 50er Jahren nachgewiesen haben, daß berühmte Angehörige bestimmter Berufsgruppen überdurchschnittlich unter bestimmten Planetenstellungen geboren werden. Den bedeutendsten Zusammenhang wollte er für Sportler unter dem Planeten Mars gefunden haben.

Mit Spannung wurde der Bericht über die Untersuchung französischer, niederländischer und belgischer Wissenschaftler erwartet, die in 14jähriger Arbeit Geburtsdaten gesammelt und berechnet hatten. Ergebnis: Den "Mars-Effekt" bei Spitzensportlern gibt es nicht. Vielmehr stellte sich heraus, daß Gauquelin die Statistik offenbar beeinflußt hatte. Daten hatte Gauquelin immer dann hinzugenommen, wenn sie zu seiner These paßten und sie weggelassen, wenn sie ihr zuwiderliefen.

"Dieser Fall zeigt, wie wichtig sorgfältige und kontrollierte Untersuchungen sind", meint hierzu Amardeo Sarma, der für die in Roßdorf bei Darmstadt ansässige "Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften" (GWUP) an der Konferenz teilnahm. Seit Jahrzehnten beriefen sich Astrologen in aller Welt auf Gauquelins Statistiken, um das Erstellen von Horoskopen zu rechtfertigen. Der britische Psychologe und Gauquelin-Freund Hans Eysenck bezeichnete noch vor wenigen Jahren die Arbeiten Gauquelins als "den einzigen Grund, die Astrologie nicht vollkommen abzulehnen". "Dem steht nun nichts mehr im Wege", meinte nach der Konferenz augenzwinkernd Edgar Wunder, der für die GWUP den Fachbereich Astrologie leitet.

Europäischer Dachverband gegründet

Nicht nur wegen der Beendigung einer lang andauernden Kontroverse war die Tagung erfolgreich: Im historischen Rathaus von Ostende schlossen sich verschiedene Gesellschaften zum "Europäischen Rat Skeptischer Organisationen" (ECSO - European Council of Skeptical Organizations) zusammen, darunter die GWUP. Er will vor allem Ansprechpartner für europäische und übernationale Institutionen sein, um der Verbreitung von Pseudowissenschaften auf europäischer Ebene entgegenzutreten. Dabei verweist der ECSO vor allem auf die wissenschaftlich nicht gerechtfertigte Förderung von unbelegten Therapien und Diagnoseverfahren zum Schaden der Patienten. "Dazu zählen insbesondere Homöopathie, Akupunktur und anthroposophische Medizin", sagt GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma, einer der Mitunterzeichner des Gründungsabkommens.

Verantwortlich:

Amardeo Sarma, GWUP

Weiterer Ansprechpartner:

Edgar Wunder, Fachbereich Astrologie der GWUP,
Tel.: (06221) 164581, Fax: (06221) 164581



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Letzte Änderung: 19. Juni 1997